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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 12)

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ÜBER BAUKUNST UND HANDWERK IN 
SCHLESWIG-HOLSTEIN UND DANEMARK 
VON HARTWIG FISCHEL-WIEN St! 
IE deutschen Gebiete der Halbinsel Jütland und die 
dänischen Inseln bilden trotz großer politischer 
Gegensätze ein zusammenhängendes Kulturgebiet. 
Mannigfaltige Stämme von zäher konser- 
vativer Gesinnung, mit ihrem Heimatlande ver- 
wachsen, mischen sich hier oder hausen neben- 
einander. 
Nördlich der alten vielurnstrittenen Grenze 
zwischen dem deutschen und dem dänischen 
Machtgebiet (dem Danewerk) sind auf verhältnis- 
mäßig beschränktem Boden die Nachkommen 
der alten Friesen, Angelsachsen und Jütländer zu Hause; die Niedersachsen 
schließen sichsüdlich an. Enge Handelsbeziehungen mit den Niederlanden 
und Holland haben westliche Einwanderungen begünstigt. 
Das einst so kriegslustige und expansionsbedürftige Dänenvolk, das 
den Sund bewacht, hat mit seinen skandinavischen Stammesbrüdern, den 
Schweden und Norwegern, stets in engem Kontakt gelebt, zeitweilig auch ein 
gemeinsames I-Ierrscherhaus besessen. 
In diesen Ländern ist der Sitz der ältesten Ausläufer nordgermanischer 
Ansiedler und alle diese Völker lieben es, auf das Alter, die Ursprünglichkeit 
und Kraft ihrer Stammestraditionen hinzuweisen. Sie pflegen die Erinnerung 
und freuen sich an den Kulturüberresten ihrer Vorfahren. 
Zugleich ist diesen Völkern gemeinsam, daß ein engerer Zusammen- 
hang zwischen dem Bauernstand und den höheren Schichten d_er Bevöl- 
kerung bestand, daß eine größere persönliche Freiheit und Macht, ein 
stärkeres Selbstbewußtsein wie im Innern des Kontinents den Trägern der 
bäuerlichen Kultur eigen war. 
Während die aristokratische Kultur der nordgermanischen und skandi- 
navischen Gebiete von derjenigen der südlichen und westlichen Kulturträger 
Europas stark abhängig blieb und nicht den Glanz einer bedeutungsvollen 
Selbständigkeit erwarb, ist der eingebornen, bodenständigen, bäuerlichen 
Kultur, der Volkskunst des Nordens, eine eigenartige Entwicklung und 
Bedeutung zuzuschreiben. 
Diese Verhältnisse haben auch die Aufsammlung und Konservierung der 
Denkmäler der Bauernkunst gefördert. Schweden ging voran, Norwegen, 
Dänemark folgten. Das schleswig-holsteinische Gebiet ist nicht zurück- 
geblieben. Eine ganze Reihe von trefflichen Sammlungen bewahrt wertvolle 
Innenräume vor dem Untergang, vereinigt die kunstgewerblich und kultur- 
historisch bedeutungsvollen Einzelobjekte. Es gibt zahlreiche Volkskunst- 
sammlungen im Norden. Dem Ansässigen und Eingeweihten trennen sich
	        

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