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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 12)

"J? 
backen dem Angriff begegnet. Nebenan wenden sich zwei I-Ialbiiguren 
Faune? z auf Sackpfeife und Klarinette blasend gegen eine unter einem 
Baume schlafende weibliche Figur, vielleicht eine Nymphe. Es folgen zwei 
kämpfende Hähne, dann ein geflügeltes Knäblein mit einem wilden Manne 
mit Spitzhut. Der Mann ist mit einer Keule bewaffnet und zerrt die kauernde 
Flügelgestalt an einem Tuche, das diese mit den Zähnen hält. Schließlich 
sieht man noch eine Darstellung des sogenannten „Luderziehens". Zwei 
Knaben kriechen auf allen Vieren rückwärts und zerren an einem Tuche, 
das um Kandaren in ihrem Munde geschlungen ist. 
Der Schaft ist unterhalb der Schale mit Kielbogenblenden auf schlichten 
Strebepfeilerchen geziert. Aus der Schale heraus entwickelt sich der auf- 
steigende Pfeiler mit vier breiteren und vier schmäleren Seiten (Abb. 4 und 5). 
Diese füllen mit Ornamentbändern umwundene Stäbe, auf den ersteren 
stehen, von Flachnischen überdacht, auf schlichten Konsolen ganz oder teil- 
weise nackte Figuren (Abb. 6 und 7). Der kapitälartige Fries, der den 
oberen Abschluß des Mittelschaftes bildet, trägt vier Fratzenköpfe mit den 
Ausflußröhren und dazwischen Kränze mit dem Wappen der nahen Bene- 
diktinerabtei Mondsee, beziehungsweise dem Wappen des Abtes Wolfgang 
I-Iäberl, des Stifters des Brunnens "' (Abb. 8). Über dem Fries überschneiden 
sich in anmutiger Linienführung mit geschwungenen Fialen bekrönte Kiel- 
bogen und naturalistisch gehaltenes Astwerk. Aus dieser Krone heraus erhebt 
sich schließlich der Rest des Schaftes mit zierlich geschnittenen Flachorna- 
menten und einem Zinnenkranz, den die etwas untersetzte Figur des heiligen 
Wolfgang krönt (Höhe o'54 Meter). 
Die feingeschwungene Schale des Brunnens trägt an ihrer Untersicht 
am Ansatz des Schaftes einen aus stilisierten Wolken hervorbrechenden 
Kranz geflammter Strahlen und am Rande über einem aus Maßwerk- 
palmetten gebildeten Fries die außerordentlich stimmungsvolle treuherzige 
Inschrift in spätgotischen Minuskeln: 
Ich pin In den eren sanndt wolfganng gemacht 
abt wolfganng häbrl zv mänsee hat mich petracht 
zir nircz (rnd ziv frVrnen den armen pilgrümb 
djie nit haben gelt irmb wein 
djie sollen pej? dissem Wasser frellich sein 
Anno dni 1515 jar ist das werck vol pracht gott sej? globt. 
An der glatten Mittelzone der Schale liest man ferner noch auf zwei 
zweireihigen Schriftbändern: 
gott hab iinss all In seiner acht 
maister lienhä 2x7 passaw hat mich gemacht 
und 
durch maister lienhart rännacher 
stat pixenmaister czi? passair. (Abb. g.) 
"' Die Buchstaben A MAD in den Ecken des Wappens Abt Wolfgangs. da: sich aus den Anfangs- 
buchstaben seines Namens zusammensetzt. dürften seinen Wahlspruch enthalten.
	        

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