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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 12)

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schildern wie Alt. Sein alter schöner Schrank, der Vogelbauer und die Blumenfreude, welche 
sein Heim schmücken, sprechen in gleichem Sinn. So innerlich gefestigt, selbstsicher und 
zielbewullt wie das Werk war auch der seltene Mensch, der ein langes Leben lang so 
unermüdlich und unerschöpflich zu wirken vermochte, stets seiner Zeit angehörend und 
doch stets er selbst bleibend. 
Eine ganz andere Persönlichkeitsart tritt uns in Karl Rahl entgegen. Ein Stürmer und 
Dränger verflossener Tage. Eine Sezession verkörpernd, die so weit zurückliegt, daß 
seitdem eine Reihe neuer Bewegungen über seine Errungenschaften hinwegschritt. 
Rahl setzte dem engen wohltemperierten bürgerlichen Milieu der vormärzlichen 
Malerei ein leidenschaftliches Verlangen nach Farbe und dekorativem Wurf entgegen. Die 
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Lübeck, Diele eines Bürgerhauses (Sauermann) 
dekorativen Künstler Oberitaliens, Veronese, Tintoretto und die Klassiker Roms studierte 
er eingehend. Er trat in Wien zu einer Zeit hervor, in der die Baukunst neue große Auf- 
gaben zu lösen hatte. Van der Nüll und Siccardsburg, mehr noch Theophil l-Iansen gaben 
ihm Anlaß, sich im architektonischen Rahmen auszuleben. Er verstand es trefflich, in den 
ihm gegebenen Raum großzügige Kompositionen einzufügen und breit und farbig im Sinne 
der Alten seine reichen Figurengruppen hinzusetzen. Zeichnerisch waren Kaulbach und 
Kornelius weit gewandter. Sein Element war die tiefe Farbe. Den Pinsel führte er mit 
kräftiger Faust. Führich, Genelli sandten ihre Söhne und Schüler zu ihm, damit sie malen 
lernten. Die Akademie duldete ihn nur ein halbes Jahr. Dann zog er sich grollend von der 
angebotenen Professur zurück und gründete seine eigene Schule, die starken Zuspruch 
fand. Später erst entschloß er sich, wieder öffentlich zu lehren. 
Der stiernackige, hünenhafte Mann mit dem energischen Kopf schuf auch mit Vor- 
liebe gewaltige Kampfszenen, mächtige Menschenleiber in kraftvoller Bewegung in tiefen
	        

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