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Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 12)

Ein vollkommenes Pendant zu dem auf 
Tafel XXXIX abgebildeten interessanten elfen- 
beinernen Sebastiansrelief aus dem Jahre 1655 
besitzt das Linzer Museum. Das Linzer Relief 
ist beinahe gleich groß (814 Zentimeter: 53 Zen- 
timeter), wiederholt die Hauptzüge der Kom- 
position, zeigt die gleiche eigentümliche, nach 
Augsburg weisende Applikationstechnik in der 
Ausstattung des Hintergrundes und ist vor allem 
stilistisch mit dem Wiener Relief vollkommen 
identisch. Auch hier ist auf einer Steinplatte 
im Vordergrund (mit genau den gleichen Ziffer- 
formen) die Jahreszahl W 1657 w? angebracht. 
Die beiden Arbeiten sind zweifellos von der, 
selben Hand. 
Die mit „W. F. Moll" signierte Darstellung 
eines auf einem Totenkopf schlafenden nackten 
Kindes (Tafel XLVII) wiederholt in jüngeren 
Formen einen beliebten, das Alpha und Omega 
des menschlichen Lebens in faßlichavolkstüm- 
licher Form zusammenkoppelnden Gedanken 
des XVI. Jahrhunderts, der, zuerst von Peter 
Flötner künstlerisch ausgeprägt (Plakette im Ger- 
manischen Museum), dann auf einer Joachims- 
thaler Medaille (von Ludwig Neufahrer) die 
weiteste Verbreitung gefunden hat. 
Einen verwandten Gedanken wie das vom 
Herausgeber (nach einer alten Inventarbezeich- 
nung eines ähnlichen Stückes) als die „Herzen- 
schmiede" bezeichnete Birnholzrelief (Ta- 
fel XXIV) drückt eine im schönsten Renaissance- 
stilbemalteGlasscheibe desLinzerMuseums aus, 
und die beigeschriebenen Verse machen auch 
den eigentlichen Sinn der Wiener Darstellung b 
deutlicher. Sie seien darum hier angeführt: 
„Wie man das gold probiert im feüwr, 
Also der gleubig ungeheur 
Wird gfochten an mit Creütz und Nott 
Auch übel trengt biß auff den todt 
Doch der wahr glaub auff Gott gericht 
Weidt überwindt schücht d'marter nicht." 
Auch auf der bemalten Scheibe bedrängt 
„caro" (als Venus mit Kupido dargestellt) mit 
einer Beißzange, „Satan" mit einem Blasebalg 
(„tentationes"), der Tod („i-inis") mit einem 
Hammer die in einem Kessel kochende („tribu- 
lationes") Seele des Menschen. So dürfte wohl 
auch dem Relief (ebenso wie der gemeinsam 
Dürer-Flötnerschen Vorlage, auf die Domanig 
hinwies) ein tändelnd-erotischer Nebengedanke 
fernliegen und die schönen Frauen, die das 
arme Menschenherz mit Hammer und Zange 
Lübeck, Haus Behn (Sauerrnann)
	        

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