MAK

Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 1)

Ansehens des Heiligen, ein von der Konkurrenz be- 
stimmtes bewußtes Überbieten des älteren Wallfahrts- 
ortes aus; wie auch darin, daß das gewinnend Leutselige, 
unbedingtes Zutrauen Einflößende in der Gestaltung des 
Charakters des Heiligen hier nachdrücklich akzentuiert 
ist gegenüber jener hoheitvollen, fast abweisenden Un- 
nahbarkeit der Wolfgangstatue am Pacherschen Altar. 
Wie dort ist auch hier der heilige Bischof „mit 
innfel, stab, klrichen und hacken" (Lieferungsvertrag) 
ausgestattet; die Hacke steckt im Dachlirst des (neuen) 
Kirchenmodells, wo sie sich auch im Pacherschen 
Altarwerk ursprünglich befunden haben dürfte. Die 
mächtige (2'2o Meter hohe) Gestalt 
ist vom Vesperrock umhüllt, der 
in ruhigen parallelen Steilfalten 
bis zum Boden herabfällt, wo er 
sich ein wenig umlegt, so daß die 
Spitze des linken Schuhes zum 
Vorschein kommt. Rauschender 
ist die Faltengebung des Plu- 
viales, mit dem effektvollen Motiv 
des muschelförmig umgeschla- 
genen Saumes; den schräg ver- 
laufenden Steilfalten hält ein Sy- 
stem von Querfalten Widerpart. 
(Vergleicht man die Gewandbe- 
handlung unserer Wolfgangstatue 
mit jener des Pacherschen Altar- 
werkes - Tafel 23 bei Wolff - 
so springt die höhere Natürlichkeit 
in d,fi',ä;,fggjf,"gi'n'ische und größere Ungesuchtheit der 
zuerst genannten unmittelbar ins 
Auge. Wie schwerfällig und gesucht ist dort das Motiv 
des um den Bischofstab herumgelegten Pluviales!) 
Deutlich tritt schon hier das Bestreben auf, durch 
tiefe Unterschneidungen und das dadurch bewirkte 
reiche Spiel von Licht und Schatten ein vollgültiges 
Äquivalent für die mangelnde „Fassung" mit Gold 
und Farben zu bieten; eine „Fassung" scheint also 
von vornherein nicht beabsichtigt gewesen zu sein. 
Der Heilige steht in voller Vorderansicht da, 
mit der behandschuhten und beringten Rechten er- 
greift er vermittelst des vom Nodus herabhängenden 
_ n _ _ _ Abb. 10. Engel in der Wolf- 
Schweißtuchleins (sudarium) den reich ausgestatteten gangsnische
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.