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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 1)

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Krummstab (Abb. 6), in dessen Volute die flott ge- 
schnittene Gruppe einer sitzenden Maria mit dem Kinde 
sichtbar wird (sie ist in Silber ausgeführt zu denken 
wie etwa die kleine Gruppe der Verkündigung in der 
Schnecke des spätgotischen Pedums in der Schatz- 
kammer des Stiftes Kremsmünster). Mit der Linken 
hält der Bischof ein aufgeschlagenes Buch vor sich hin, 
von dem der „Buchbeutel" (Originale eines solchen 
befinden sich im Germanischen Museum) herabhängt. 
Die Stirnseite der Inful ist mit flachen Schnitzereien 
bedeckt, die offenbar Reliefstickereien nachahmen 
sollen; mit bunten Steinen be- 
deckte Borten teilen die Vorder- 
Häche der Mitra in zwei drei- 
seitige Felder, in deren linkes 
die kniende Gestalt des Erz- 
engels Gabriel mit dem Spruch- 
band, in deren rechtes die vor 
einem Betstuhl kniende, die 
Hände über der Brust kreuzende 
heilige Jungfrau eingefügt ist; 
links über Maria werden die 
Strahlen des heiligen Geistes, 
rechts hinter ihr wird ein go- 
tischer Faltstuhl mit Kissen 
sichtbar. I 
Nicht genug damit, sind 
auch noch die beiden (in Sil- 
ber ausgeführt zu denkenden) 
vierpaßförrnigen Appliken der in dibääliäaigffiische 
Schließe des Pluviales Figural 
verziert; sie zeigen je eine sitzende Evangelistentigur 
(links Johannes mit dem Adler, rechts Lukas mit dem 
Ochsen), während das verbindende Band mit einem 
gotischen w geschmückt ist. 
Über all diesen verwirrenden Detailreichtum 
triumphiert aber machtvoll der Kopf des Heiligen 
(Abb. 7), wie sich über die instrumentale Polyphonie 
eines rauschenden Orchesters siegreich eine herrliche 
menschliche Stimme herausschwingt. Immer wieder 
landet das Auge des Beschauers bei diesem Kopf. 
Welche Fülle des Ausdruckes ist hier mit einfachen 
Mitteln erzielt, wie wohlvertraut berührt uns dieses 
Abb. 12. Engel in der Wolf- __ _ _ _ _ 
gangsnische gutmutige Gesicht von fast quadratischem Umriß,
	        

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