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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 1)

trägt er mit kleinen mühsamen Schritten die 
göttliche Last ans Ufer hinüber (angedeutet durch 
die verfiießenden Wellen und Distelpflanzen am 
Boden) und stützt sich dabei auf den knüttelartigen 
Baumstamm, den er mit der Rechten umfaßt, 
während die erhobene Linke das sitzende und 
segnende Christuskind an der Schulter festhält 
(Abb. 20). Der Gegenwind bläst seinen Mantel 
gegen den Stab und weht das Mäntelchen des 
Kindes empor. Die Miene des riesenstarken 
Trägers, der das Weltall auf seiner Schulter 
lasten Fühlt, drückt die äußerste Erschöpfung aus; 
der Kopf sinkt zur Seite, 
die Brauen ziehen sich 
zusammen, die Lider sen- 
ken sich über die Augäpfel, 
der Mund ist wie klagend 
geöffnet, die von den Nü- 
stern auslaufenden Schräg- 
falten verschärfen sich, 
die Mundwinkel sind herab- 
gezogen: ein Dulderkopf 
von stilvollstem Realis- 
mus. Auch- die Sehnen 
des Halses sind ange- 
spannt, die Adern schwel- 
len an, die Schlüsselbeine 
treten stark hervor. Pracht- 
voll ist wieder das Haar 
behandelt: während es 
Engel in dei-Aälirisztäiuhorusnische am  nach und 
wellig anliegt, fällt es 
unter der auffallend zierlich geknüpften Schleife in 
reich durchschlungenen GeHechten schwer herab 
und beherbergt in seinen tiefen Unterhöhlungen 
dunkle Schattenmassen, aus denen das belichtete 
Antlitz mit großem malerischen Effekt hervortritt 
(Abb. 21). 
Die reiche gegenseitige Durchschlingung der 
einzelnen Locken ist völlig ornamental empfunden 
(wie die sich durchschlingenden Giebel eines spät- 
gotischen Baldachins), desgleichen das streng symme- 
trische Lockenarrangement über der Nasenwurzel. 
_ _ _ Abb. 24. Engel in der Christo- 
Ganz wunderbar sind die sichtbar werdenden nackten phorusnische
	        

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