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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 1)

den fleischigen Lidern. Es glänzt dieses Antlitz förmlich von behaglicher 
Daseinsfreude. In den Händen dürfte dieser Vorsteher der Sängerknaben 
eine Notenrolle gehalten haben, und das wiegende Haupt scheint den 
Takt der Musik zu begleiten. Der reiche Faltenwurf ist hier dadurch 
motiviert, daß die linke Mantelhälfte unter dem linken Unterarm durch- 
gesteckt und vorn über dem Unterkörper herübergenommen ist. (Höhe 
45 Zentimeter, rote Farbspuren am Käppchen und an den Lippen.) 
Neben und zwischen den Baldachinen zu Häupten der großen Statuen 
im Schrein sind noch weitere vier Figürchen von etwas bedeutenderen Dimen- 
sionen als die vorstehend beschriebenen zwölf Statuetten angebracht. Rechts 
und links je ein lobpreisend vorgebeugter Engel, in der Mitte zwei ältere 
Männer von orientalisch anmutender Gewandung (Abb. 29 bis 32). Beide 
Engel haben merkwürdig lange Oberschenkel und ihre Knie setzen viel zu 
tief an. Dadurch nun, daß diese überschmächtigen hochgegürteten Gestalten 
so sehr in die Länge gezogen sind, erhalten sie etwas Spirituelles; dieses 
einfachen Kunstmittels hat sich bekanntlich der gotisierende Burne-Jones, 
namentlich bei seinen Engelsgestalten sehr stark bedient. In die ausgestreckten 
Hände dürfen wir den beiden wohl Bandrollen geben. Die Steilfalten der 
langen, auflagernden Gewänder werden durch kleine Querfaltensysteme 
unterbrochen, die dadurch entstehen, daß das Gewand über den Ober- 
schenkeln ein wenig aufgerafft ist. (Höhe 43 Zentimeter, Pupillen schwarz 
laviert, Lippen und Kollare rot, Ärmel rotgesäumt; die linke Hand des Engels 
rechts ergänzt.) 
Von den beiden Alten ist der eine, linksstehende, mit einer bundartigen 
Kopfbedeckung bekleidet, die an das Gebende gotischer Matronen erinnert. 
Auch das hagere, glattrasierte Gesicht mit der Adlernase hat etwas Weibisches. 
Über dem enganliegenden, unter dem Halse segmentförmig ausgeschnittenen 
Untergewand ist die Gestalt mit einem langen, um die Schultern kragenartig 
umgeschlagenen langen Mantel bekleidet, der dadurch, daß er mit der Linken 
vor den Unterleib heraufgezogen wird, dort einen faltenreichen Bausch 
bildet, ein Motiv, dem wir ähnlich schon bei dem Engel links zu Füßen 
des heiligen Wolfgang begegnet sind und das genau so auch beidem andern 
Alten wiederkehrt. 
Dieser trägt über einer Kopfhaube einen turbanartigen Ringwulst und 
darüber einen langen, auf die Schultern herabfallenden Schleier, Kinn- und 
Schnurrbart in dem mageren Gesicht und einen ärmellosen Mantel, ist aber 
in Bewegung und Faltenarrangement mit der vorhergehenden Figur fast 
identisch. Das Attribut, das die Linke getragen haben mag, bleibt zweifelhaft, 
und damit auch die nähere Bestimmung dieser Gestalten. 
Es ist nicht ausgeschlossen, daß die vier jetzt unter die Engelsjugend 
verstreuten Figuren Erwachsener, von denen drei durch die morgenländische 
Tracht charakterisiert sind, ursprünglich in einer Reihe nebeneinander standen 
und erst bei einer der Restaurationen, die der Altar durchzumachen hatte 
auseinandergekommen sind. Ist dem so, so dürften wir in ihnen Kirchenlehrer
	        

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