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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 1)

die treuherzigen Augen blicken still vor sich hin, und 
statt der energisch aufstrebenden kurzen Ringellocken 
umhüllen den Schädel lange, flach anliegende wellige 
Haare. In der Bewegung sind die beiden Gestalten 
derart variiert, daß hier die herabhängende rechte 
Hand den (ergänzten) Rost, die halb erhobene Linke 
das Buch hält und das Haupt auf die andere Schulter 
geneigt ist. Dadurch, daß das eine Ende des hier mit 
breitem Pelzsaum verbrämten Diakonenmantels unter 
dem rechten Unterarm durchgesteckt ist, entsteht 
ein in weichen Falten gebrochenes Gewandmotiv, 
das dem der Parallelligur eng verwandt ist. (Augäpfel 
weiß, Pupillen schwarz laviert; Rücken ausgehöhlt; 
in der Zeichnung der Lippen und des Umrisses der 
Augäpfel reizvolle, der Natur abgelauschte Unregel- 
mäßigkeiten.) 
IV. 
Die Altarflügel sind nicht beweglich, sondern 
fest und ruhen auf eisernen Stangen auf, die in den 
Wänden des Kirchenchors befestigt sind. Daher 
blieben denn auch die Rückseiten der Flügel un- 
verziert, während die Vorderseiten je zwei von 
durchbrochenem Laubwerk umrahmte Relieftafeln 
darstellen, deren Form die eines niedrigen, auf eine 
Schmalseite aufgestellten Rechtecks ist. Trotzdem 
die Flügel nie zum Verschließen des Schreines 
bestimmt waren, sind sie so dimensioniert, daß sie 
geschlossen den Bilderkasten genau verdecken 
Abb 29 Engel (in d" linken würden. (Höhe der Reliefs ohne Rahmen 160 Zenti- 
(am; Ecke-des schmines) meter, Breite r 37 Zentimeter.) Das obere Relief des 
linken Flügels enthält eine Darstellung der Verkün- 
digung, das korrespondierende des rechten Flügels zeigt die Geburt Christi; 
es folgen links die Anbetung der Könige, rechts der Tod Mariens, so daß 
also die vier Tafeln eine der üblichen Abbreviaturen des Marienlebens 
enthalten (Abb. 37 bis 43). 
Bei der Verkündigung blicken wir in ein hohes, hallenartiges Gemach, 
dessen Gewölbe auf geschmückten Pfeilern aufruht. Zwischen den 
vordersten dieser schlanken Säulchen hindurchsehend, erblicken wir die 
heilige Jungfrau nach rechts gewendet vor dem Betpult kniend und soeben 
im Lesen innehaltend; denn ihr Ohr wird von den (naiv symbolisch durch 
das auf sie sich zuringelnde Spruchband dargestellten) Worten des Erz- 
engels Gabriel getroffen, der, von einem schleppentragenden kleineren 
Engel geleitet, von links oben zur Halle herabgekommen, durch den seit- 
lichen offenen Bogen eingetreten ist und in demütiger Kniebeuge vor der
	        
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