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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 1)

einander losgehen. i: Als Füllungen der Zwickel des seitlichen Spitzbogens 
dienen phantastische Vögel. 
Der Raum, innerhalb dessen Maria betet, ist durch eine Art Verschlag 
von dem andern Hallenraum abgetrennt; hinten läuft eine Stange quer 
durchs Gemach, von der in Ringen ein Vorhang herabhängt, und rechts 
grenzt eine zierlich durchbrochene Brüstung diesen innersten Raum ab. Die 
entfernteren Hintergrundwände werden durch die bereits 
erwähnten 
Fenster belebt, von denen die drei unter dem flachen Rundbogen mit Maß- 
werk ausgestattet sind. Den beiden äußersten links ist überdies ein Bord 
vorgelagert, auf dem ein allerliebstes Stilleben Platz gefunden hat, ein Teller 
neben einem zinnernen „Khandl", eine Holzschachtel neben einem Kerzen- 
Abb. 31. 
Heiliger (zwischen dem mitt- 
leren und linken Baldachin) 
leuchter. Zu dem rechtsseitigen Fenster, dessen 
Holzladen nach innen geöffnet sind, blickt, in beschau- 
liche Betrachtung versunken, mit vor der Brust 
gekreuzten Armen eine Figur mit orientalisierender 
Kopfbedeckung herein; im Hintergrund werden Felsen 
und Bäume, ganz oben links auch eine Burg sichtbar. 
Um nun auf die Darstellung des Hauptvorganges 
in seinen Einzelheiten zurückzukommen, so ist die 
kniende Jungfrau außer mit dem Untergewand mit 
einem langen Mantel bekleidet, dessen Saum von der 
Brust abwärts mit rosettenförmigen Knöpfen besetzt 
und dessen gewaltige Schleppe bis an den vorderen 
Bildrand vorgezogen ist, wodurch bewirkt wird, daß 
die Figur der Jungfrau im Raum „zurückspr-ingt". 
(Derselben räumlichen Illusion sollen das schräg 
gestellte und geöffnete Betpult, Vorhangstange, Brü- 
stung und die übertrieben verkleinerten Fenster dienen.) 
Das Gesicht Mariens zeigt ein ausgesprochenes Oval 
mit überhoher Stirne und stark vorspringender, 
langer, gerader Nase; das schlicht gescheitelte Haupt- 
haar fällt in langen geringelten Locken bis zu den 
Hüften. Vom Halse hängt an dünnen Schnürchen 
ein Lederbeutel herab. Während die rechte Hand 
Mariens noch mit dem aufgeschlagenen Erbauungs- 
buch beschäftigt ist, drückt die Gebärde der zierlich 
entfalteten Linken auf eine sittige Art bescheidenes 
Erstaunen aus. Der Gewandstil mit seinen großen 
Motiven ist dem der Figuren des Schreines analog. 
Hinter der aufgehenden Tür des Gebetpultes, vor 
dem Maria kniet, werden auf zwei Brettern liegende 
i; Eine ähnliche Darstellung im Maximilianischen Gebetbuch, Folie 14g 
(von Hans Dürer), wo die Knaben außerdem runde Filzhüte als Schilde 
gebrauchen. In Dürers Marienleben hantieren Engel mit solchen Windridern, 
Folio 15 und 20.
	        

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