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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 2)

beginnenden XVII. Jahrhunderts. Zur Erläuterung des Gesagten diene hier die 
Abbildung eines Creußener Kruges (Abb. 37). Das aufgelegte Medaillon mit der 
Reliefligur der Abundantia stammt vonjohannes Vest. In noch höherem Maße 
kommt diese Verwandtschaft bei einer im Kunstgewerbemuseum zu Dresden 
befindlichen Kachel von der Hand unseres Künstlers zum Ausdruck (Abb. 44). 
Man beachte die Vorliebe für das vorgesetzte Standbein, das übermäßig seit- 
wärts gestellte, im Knie stark abgebogene Spielbein der Figuren, weiters die 
Zehenstellung, die starken Unterarme und die auffallend kräftige rechte Hand, 
hierzu die gute Anatomie des Rumpfes. Während uns das Mittelalter verhält- 
nismäßig zahlreiche plastische Werke aus Ton überliefert hat - ich erinnere 
an die drei Standiiguren und die sechs sitzenden Figuren der Apostel aus der 
Zeit um 1400 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg _ erscheint 
die deutsche Renaissance auffallend arm an derartigen Schöpfungen. Dieselben 
beschränken sich auf Pieta-Gruppen und auf Darstellungen der heiligen 
Dreifaltigkeit mit dem Charakter handwerksmäßiger Arbeiten, welche zahl- 
reiche Repliken als Handelsware kennzeichnen. Diese kleinerenTonplastiken 
der Spätrenaissance begegnen uns als Krönungen der Bildstöcke oder als 
Nischenliguren über dem Torbogen 
der Häuser. Eine Reihe größerer Ton- 
reliefs hat Professor Philipp Halm in 
der Zeitschrift für christliche Kunst, 
Jahrgang 1910, Seite 113 bis 124, aus- 
führlich besprochen. Die Heimat dieser 
Arbeiten ist Oberbayern, der Künstler 
der MonogrammistM. K. Einzelne Ton- 
iiguren der Landespatrone, darunter 
in erster Linie der heilige Florian, sind 
in den Alpenländern nicht selten. Un- 
zweifelhafte Wiener Hafnerarbeiten 
sind die glasierten Figuren des Hei- 
lands und der zwölf Apostel von einem 
Haus am Hafnersteig im Museum der 
Stadt Wien. Wir kennen also bisher 
nurTonplastiken religiösen Charakters 
und so beansprucht die Venus Marina 
des Grafen Palffy als ein Werk pro- 
faner Bestimmung sowohl als auch 
wegen ihrer hohen künstlerischen 
Qualität einenbesonderen Rang. Diese 
Figur ist somit, von den Schallaburger 
Terrakotten abgesehen, ein Novum. 
Über ihre vormalige Bestimmung sind 
 
wir nicht im klaren; vermutlich ge- 
hörte sie zu einem Wandbrunnen. 
Abb. 37. Creußener Steinzeugkrug, mit bunten Email- 
farben bemalt. die Figur der Abundantia nach einem 
Modell des Johannes Vest
	        

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