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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 2)

DIE FAMILIE DER KUNSTI-IAFNER VEST 
UND IHRE WERKE IN ALT-OSTERREICH 
UND IN OBERFRANKEN 50 VON ALFRED 
WALCHER VON MOLTHEIN-WIEN S0 
O viele tüchtige und künstlerisch schaffende Mit- 
glieder aus ein und derselben Familie hat kaum 
ein anderes Gewerbe der deutschen Renaissance 
in den Dienst des Handwerks stellen können 
wie jenes der Töpfer und Ofenhafner in Franken. 
Die Familie, welcher die Tradition plastische 
Tonwerke schon für die Anfänge des XVI. Jahr- 
hunderts zulegt, die weiters bis in die Mitte 
des XVII. der Steinzeugtöpferei in Creußen das 
Gepräge eines Kunsthandwerkes gab und den 
Ofenhafnem in Nürnberg Modelle lieferte, viel- 
leicht auch für oberösterreichische Werkstätten größere Aufträge übernahm, 
heißt Vest. Ihre Haupttätigkeit fällt nach Creußen bei Bayreuth in Oberfranken , 
einer alten, auf felsigem Hügel und am Roten Main erbauten kleinen Stadt, 
an der Vereinigung der Heerstraßen von Nürnberg und Regensburg gelegen. 
Die Vest waren aber nicht fränkischen Ursprunges, sondern österreichischer 
Herkunft, wie wir annehmen müssen. Veranlassung zu ihrer ersten Nieder- 
lassung in Creußen, welche in die Zeit um 1512 anzusetzen ist, bot ver- 
mutlich die Kenntnis des ausgezeichneten, in nächster Nähe der Stadt 
gehobenen Töpfertones, welcher die Herstellung feuerfester und undurch- 
lässiger Gefäße ermöglichte. Das Bekanntwerden eines Steinzeuglagers oder 
einer Tongrube mit steinzeugähnlichem Rohmaterial mag damals Hafner 
ebenso angezogen haben, wie etwa heutzutage ein neuentdecktes Kaolin- 
lager sofort zur Gründung einer Steingut- oder Porzellanfabrik anregt. Der 
glänzende Ruf der rheinischen Steinzeugware hatte sich rasch über ganz 
Europa verbreitet. Vom hessischen, in Dreihausen gelegenen und vom 
mährischen, auf den kleinen Ort Loschitz beschränkten Betrieb mag, obwohl 
beide in das Mittelalter zurückreichen, nicht viel bekannt gewesen sein. 
Die ersten Versuche der Creußener Töpfer, Steinzeug herzustellen, hatten 
daher für das Hafnerhandwerk Mitteldeutschlands den Charakter beachtens- 
werter Vorgänge. 
In Wien wird im Jahre 1458 eine Witwe nach Georg Vest erwähnt, 
und 147g ist ein Kaspar Vest Bürger in Wiener-Neustadt. Die Vornamen 
Georg und Kaspar kehren bei den in Creußen tätigen I-Iafnern wieder. Auch 
das heute noch in Österreich blühende Geschlecht der von Vest hat durch 
die Wiederkehr des seltenen Vornamens Chrysanth Anknüpfungspunkte mit 
der Creußener Familie gleichen Namens. Zudem besteht bei dem vorge- 
nannten österreichischen Geschlecht die Tradition einer Abstammung von 
Töpfern. Wir kommen zum Resultat, daß die Vest innerösterreichischer 

	        

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