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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 2)

Laq. 
Tirol steht ein vollständiger derartiger Ofen, wohl das bedeutendste Werk des 
Meisters (Abb. 55). Dargestellt sind die fünf Sinne, jeder durch ein Liebes- 
paar in vornehrner holländischer Tracht _und begleitet von einem Tier als 
Attribut. Im Bogen der Umrahmung, die somit fünfmal ausgefertigt werden 
mußte, sind die Bezeichnungen angebracht: Auditus (Abb. 56), Odoratus, 
Tactus (Abb. 57), Gu- 
stus und Visus (Abb. 
58). Zur letztgenann- 
ten Darstellung exi- 
stiert ein in denDetails 
abweichender Ent- 
wurf, ein ovales Mo- 
dell aus gebranntem 
Ton (Abb. 59), wei- 
ters eine in der deut- 
schen Schweiz nicht 
seltene Kachelvari- 
ante, wobei die Figur 
desLiebhabers keinen 
Hut und an Stelle der 
Kröse einen Umleg- 
kragenträgt (Abb. 60). 
Als Vorlage für 
die Serie der fünf 
Sinne wählte Georg 
Vest Kupferstiche mit 
moralisierenden Dar- 
stellungen auf die Ge- 
fahren der Verfüh- 
rung. So trägt das 
Blatt, nach dem das 
Modell mit dem „Tac- 
tus" kopiert wurde, 
die Schrift: „Quae 
Abb. 54. Kachel mit der Darstellung des Sommers, Meister Georg Vest, conspecta nocent, 
nach 1610 
manibus contingere 
noli" (Was gefährlich ist anzusehen, ist noch gefährlicher zu berühren). 
Die Stiche sind nicht signiert; sie gehören einem Holländer und vermutlich 
Goltzius an. Vest hat diese nahezu getreu kopiert. 
Der Ofen auf Schloß Tratzberg stand ursprünglich im Heubeckschen 
Hause am Dürerplatz in Nürnberg. Er ist also nicht, wie allgemein und 
auch von Wingenroth (Mitteilungen des Germanischen Museums, jahrgang 
1902) angenommen wurde, nach England verkauft worden, sondern steht 
in Österreich, der ersten Heimat der Vest. Ein ähnlicher, aber nicht so reich
	        

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