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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 2)

artige Schäfte, aus deren Lichtteller der Dorn 
herauswächst. Sie sind mit Goldhöhung und 
einfachem Goldomament verziert, während 
auf dem Sockel das oben erwähnte farbige 
Wappen angebracht ist. Zwei solcher Leuch- 
ter, die in Form und Bemalung diesen völlig 
gleichen, befinden sich im Besitze des 
Wirklichen Geheimen Oberregierungsrates 
Lüders in Berlin." Die Tatsache, daß diese in 
Privathand gekommen sind, kann ich mir nur 
damit erklären, daß man in Meißen mehr 
Leuchter, als man nach Wien liefern sollte, 
anfertigte und nun einige Stücke, vielleicht 
solche, die kleine Fehler hatten, zurückbehielt, 
aufs Lager brachte und von hier aus später 
verkaufte. Einer dieser Leuch- 
ter ist, wie bei dem Geschenk 
nachRornausdrücklicherwähnt 
wird, zum Fuß des Kruziiixes 
verwendet worden (Fig. I). Man ist hierbei, wie der Augen- 
schein lehrt, recht unorganisch verfahren. 
Aber gerade an solchen Dingen merkt man die frühe 
Zeit, in der bei den Bestellungen noch der Maler I-Iöroldt, 
nicht aber der Plastiker Kaendler auch {über die zu verwen- 
dende Form die Entscheidung hatte. Denn ich bin der 
Meinung, daß sich die Meißner Fabrik später, als sich die 
Machtbefugnisse Kaendlers erweitert hatten, solche Un- 
gereimtheiten nicht hätte zuschulden kommen lassen. Der 
Christuskörper wirkt etwas klein zu dem Kreuz, dessen 
Enden sich verbreitern und in dessen Ecken goldene Strahlen 
angebracht sind. 
Die Glocke, auf deren unteren Teil das Wappen gemalt 
ist, zeigte erhabenes Rosen- und Pfeifenornament. Am Knauf 
sind je vier Doppelvoluten und Engelsköpfe angebracht, 
während der oben kronenartig sich verbreiternde Griff 
ornamental durchbrochen ist (Fig. 2). Der hierzu gehörige 
„Kredenzteller" fehlt, ebenso das Waschbecken und der 
Weihwasserkessel. 
Ein Weihwedel ist indessen vorhanden (Fig. 3). Da ein 
solcher in den angeführten Aufzählungen nicht mit vorkommt, 
und da er das einzige Stück ist, das das Wappen nicht zeigt, 
handelt es sich hierbei möglicherweise um eine spätere 
Nachbestellung. Sein Stiel ist plastisch mit spiralförmigen 
3 Ebenda abgebildet Tafel X. ' Fig. 3 
 
	        

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