MAK

Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 2)

Triptychon für die Kirche seiner kleinen ostpreußischen Vaterstadt mit dem flackernd 
sektiererischen Paulus, dem vom Engelsfittich überschatteten Matthäus, und inmitten 
Christus Crucii-ixus in die Wolken ragend über der Schädelstätte. 
Ein interessantes Werk der jüngsten Zeit ist der Schäfer, eine van Goghsche Gestalt, 
wischig hingestrichen mit dem braungegerbten Stoppelgesicht auf einem dekorativ 
behandelten Hintergrund, grüngesprenkelt, aus dem sich als scheckige Flecke die Kuh- 
silhouetten herausheben. 
Wie Rembrandt schaut Corinth auch gern in die Schlachthäuser, wo im Helldunkel 
die aufgebrochenen ausgeweideten Rinder hängen und über das Fleisch und die blutig 
schillernde Höhlung malerische Lichtspiele gehen. 
Die gleiche manchmal fast metzgerhafte Faust wühlt aber ebenso farbenleiden- 
schaftlich in Blumen. Aus seinen Stilleben quillt es strotzend, busig schwellen die Kelche, 
und ein schaumiger Schmelz glänzt darüber. Auch in diesem Vegetarischen merkt man 
das Fleischfrohe, und wie eine Muse dieser Kunst ist das dralle lebenslachende Weib mit 
den bloßen Brüsten anzusehen, das sich eratmend über einen Tisch der Fülle beugt, einen 
Tisch von Blüten schwer und gesegnet mit Wildbret und Fasanen. 
Und man möchte Lovis Corinth, dem Mann von 50 Jahren, der sich von tückischer 
Krankheitsattacke glückhaft wieder erhoben, mit Liebermanns Schlußwon (zur Katalog- 
einleitung) ein „Prosit" zurufen und guten Appetit, recht lange noch auf alle die guten 
Dinge dieser Erde: _ 
Wer zu seiner Mutter, der Natur, SlCh hält, 
Findet im Stengelglas wohl eine Welt. F. P. 
ARISER AUSSTELLUNGEN. Die „Societe Internationale de Peinture et 
de Sculpture" ist eine durch ihren dreißigjährigen Bestand beinahe ehrwürdig gewor- 
dene Gesellschaft. Sie vereinigt, unter dem Präsidium des bekannten Pariser Malers 
Carrier-Belleuse, durchaus Namen von Künstlern, welche es verstanden haben, sich in 
der Kunstwelt und in der Gesellschaft eine Stellung zu schaffen und dieselbe zu bewahren. 
Für die ultramodeme, jüngere, stets nach neuen Effekten strebende Kunstwelt läge 
hierin schon ein gewisser Tadel und Verdacht von allzu bereitwilligen Konzessionen an den 
Geschmack des kaufenden Publikums. Wie immer man hierüber denken mag, so steht es 
trotzdem unzweifelhaft fest, daß die Societe Internationale eine Summe von solidem, 
abgeklärtem Können darstellt, wie man sie nicht leicht selbst auf viel umfangreicheren Aus- 
stellungen Endet. Der große Saal von Georges Petit ist hierfür ein sehr geeigneter Rahmen, 
und der Gesamteindruck dieser Ausstellung ist durchwegs vornehm und harmonisch. 
Der Ehrenplatz wurde diesmal einem großen Porträt von Laszlo eingeräumt: Gräfin 
OrloH-Davidol? mit ihrer Tochter. Die Manier des Meisters weist die gewohnten Eigen- 
schaften auf. 
Felix Borchardts Männerporträte zeichnen sich stets durch eine kräftige charakter- 
volle Darstellung aus. So auch diesmal sein Porträt des Barons von Königsbrunn. In seinen 
Landschaften finden wir eine ganz andere Technik, etwas Zartes, Duftiges, und diese Viel- 
seitigkeit des Könnens macht dem Künstler alle Ehre. 
Die eleganten Pariserinnen von Andre Brouillet sind alle mit dem konventionellen 
Schönheitsideal ziemlich verwandt. Sie haben viel „Chic", hübsche Farben, es sind gefällige 
Darstellungen, die jedenfalls zur Zufriedenheit ihrer Besteller ausgefallen sind. Wir sehen 
hier außerden Porträten von Madame B. und der Korntesse d'A. noch ein liebliches Genrebild, 
eine äußerst elegante Gestalt eines jungen Mädchens inmitten einer blühenden, sonnigen 
Wiesenlandschaft. Ebenfalls ein reizendes junges Mädchen, in einem eleganten Interieur 
mit Blumen tändelnd, ist von Delachaux. Zwei gute Männerporträte und ein Frauenbildnis 
von G. P. Laurens verdienen alle Achtung. Von Frederic Lauth fällt besonders ein rot- 
haariger Kinderkopf auf. Man bewundert auch seine fein gestimmten Skizzen aus Spanien 
und der Provence. Spanischen Typen hat sich diesmal Henri Zo gewidmet. Seine „Femme 
18'
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.