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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 2)

Ziemlich neuartig und von tiefer philosophischer Beobachtung durchdrungen sind 
die 20 Bildchen, welche die verschiedenen Bezirksgerichtsverhandlungen in den 20 Arron- 
dissements von Paris darstellen. Aus den mannigfachen Szenen und Figuren kann man 
sich jedesmal eine genaue Vorstellung des spezifischen Charakters eines jeden Stadt- 
bezirkes machen. Diese Kompositionen sind von Lefort und ragen über die Banalität 
der Witzblattliteratur empor. 
Über die meisten Künstler, welche diesmal unter dem Titel „Comedie l-lumaine" bei 
Georges Petit vereinigt sind, habe ich anläßlich einer früheren ähnlichen Ausstellung 
Bescheid gegeben. Für diesmal sei es genügend, die wichtigsten Namen zu erwähnen. 
Es sind dies; Abel Faivre, Pierre Veber, Henri Thomas, Devambez, Guillaume, Brunnel- 
leschi, Dethomas, Colin, Brissaud, Grün, Gatier, ]onas, Marcel Clement, Steinlen und 
Lepape. Letzterer malt jene persisch angehauchten Pariser Modeiiguren, welche teilweise 
aus der Phantasie Poirets entsprungen sind. Die jetzige Mode entwendet viele ihrer 
Erfindungen aus den Trachten auf den persischen Miniaturen. l-lochmodern in diesem 
Sinn ist auch die Kunst von Madame Leone Georges-Reboux. Sie schafft niedliche kleine 
Kunstgegenstände, Dosen, Vasen, Fächer etc., auf denen sich ihr künstlerischer Geschmack 
in persischen Figurinchen und Dekorationsmotiven in demselben Stil ausdrückt. Die Arbei- 
ten dieser Künstlerin sind in Paris sehr geschätzt. 
„L'Art Intime" ist eine glückliche Bezeichnung für die in der neuen Galerie Marcel 
Bemheim stattfindende Ausstellung. Man stellt sich hierunter jene Künste vor, welche in 
der Traulichkeit des I-leimlebens entstanden sind, und solche, welche sich zur Aus- 
schmückung behaglicher Wohnräume besonders eignen. 
Kunst und Kunsthandwerk kommen hier in gleichem Maße in Betracht. Die aus- 
gestellten Bilder sind: Interieurs von Cancaret, dekorative Pastellbilder und Gouachearbeiten 
auf Elfenbein von Barthelemy, eine Serie rührender Kinderszenen „les mioches" von Lorietz, 
angenehme Genrebildchen von Renaudot und geschmackvolle Blumenstücke von Dumont. 
Nicht zu vergessen die farbenkühnen Skizzen von Paul Madeline. die hübschen Licht- 
eiTekte von Gilbert Lanquetin und die Ansichten aus Brügge von Dilly. Die großen 
Tapisserien von Femande Maillaud gehören zu den besten Arbeiten auf dem Gebiet 
weiblicher Kunststickerei. 
Henri Dubret stellt sehr feinen modernen, in keiner Weise aufdringlich wirkenden 
Schmuck aus. 
Die keramischen Objekte von Massoul haben einen eigenen Reiz; ebenso die nach 
antiken Mustern komponierten Emailplalretten von Leon jouhaud. In Horn, Metall und 
Leder ergießt sich die Schatfensfreude der Schule Berthe Cazin, und wir sehen hierin sehr 
glückliche Resultate. 
Am meisten Erfolg haben die neuen Arbeiten von dem bekannten Meister Daum. 
Wir sehen diesmal nicht nur eine Serie von Vasen und Lampen in neuen Formen und 
Farben, sondern ganze Türen und Fensterverkleidungen und Ofenschirme in jenen 
farbigen, teilweise durchsichtigen Glasmassen, deren künstlerische Wirkung in dieser 
Verwendung zugleich anziehend und neuartig wirkt. 
lm Ausstellungssaal des Pariser Lyzeum-Klub findet eine kleine, aber äußerst 
gewählte kunstgewerbliche Ausstellung statt. Dieselbe steht unter dem Präsidium der 
Herzogin von Uzes-Mortemart, welche sich auf dem Gebiet der schönen Künste, besonders 
der Bildhauerei, auch vielfach und erfolgreich betätigt hat. ' 
Vor allen ist hier unter den ausstellenden Künstlerinnen der Name Ory-Robin zu 
nennen. Von ihr kann man sagen, daß sie auf dem Gebiet moderner Stickkunst einen Stil 
geschaffen. Sehr merkwürdig und talentvoll ist ein Feuerwerkbild, halb gestickt und halb 
gemalt von Zina Ozenfant. Schmucksachen, künstlerische Spitzen und Stickereien, Kunst- 
gläser und eine besondere Art von Kunstblurnen zeugen von der Vielseitigkeit der Talente 
unter den Mitgliedern des Lyzeum-Klubs. Am bekanntesten sind die Namen: Noury-Roger, 
Collin, Castellat Mansuy. Fecherolle d'Azier und Clarinval.
	        

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