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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 3)

noch angenehm auf. Der italienische Maler Gennaro Favai malt große effektvolle Venedig- 
Bilder mit merkwürdigen pastösen Farben, eine Art Tempera. Es erinnert ein wenig an 
Bühnendekoration. 
Der „Salon des Artistes Animaliers" ist eine neue Institution. Der Gedanke, die ver- 
schiedenen Tiermaler unter einem Dach zu vereinigen, ist an und für sich kein schlechter. 
Mit besonderem Interesse werden hier die jagd- und naturkundigen Besucher darüber 
urteilen, ob diese oder jene Tierszene wahrheitsgetreu sei. Eine vertiefte Kenntnis der Tiere 
und ihrer Gewohnheiten ist im allgemeinen bei Künstlern ziemlich selten, da sich deren 
Augenmerk vor allem auf die rein dekorative Wirkung eines Ensembles richtet, in dem die 
Tiere nur einen Teil der Staffage darstellen. Es ist daher zumeist von glücklicherer Wirkung, 
wenn der Künstler sich auf die Stilisierung seines Modells verlegt. Es ist dies zum Beispiel 
bei Bigot der Fall, welcher seine Vögel japanisiert. Außer seinen so bekannten Aquarell- 
Vogelbildern sehen wir hier auch in Holz geschnitzte gefiederte Gesellen, die recht gelungen 
sind. Le Bourgeois hat einen aus Eichenholz geschnitzten Monumentalkamin für ein Jagd- 
haus komponiert, symbolische Tiermotive in der bekannten geschickten Stilisierung. 
Der Maler Bruno Liljefors bringt einige erfrischende Eindrücke aus dem nordischen Natur- 
leben. Henry Vallette gehört auch noch zu denjenigen, welche das lebende Wesen zu einem 
Dekorationsmotiv umschaffen, das heißt stilisieren. Die Arbeiten von Edouard Merite sind 
hingegen äußerst realistisch, die Szenen der verwundeten Hasen und Vögel sind ergreifende 
Jagdbilder, welche uns die grausame Seite dieses Vergnügens vor Augen halten. Ferdinand 
Oger bringt viel angenehmere Eindrücke. Seine Dachshunde und die schönen Angorakatzen 
stellen freundliche und glückliche Vierbeiner dar und zeugen von richtiger Beobachtung 
dieser Freunde des Menschen. Die Zeichnungen und Aquarelle des bekannten Tiermalers 
Pauljouve sind wie immer schwungvoll und tadellos gezeichnet. Raubtiere, Löwen, Tiger, 
Adler, sind seine Lieblingsrnodelle. Hierzu gesellt sich diesmal ein sehr gelungener arabischer 
Reiter. 
Die Skulpturen sind sehr zahlreich. Rodin stellt eine Zentaurenfigur in Marmor und 
einen kleinen Bronzelöwen aus. Paul Troubetzkoi ist glänzend vertreten. Ein russisches 
Sehlittengespann ist ein Kunstwerk allerersten Ranges. Ein junger Wolf und einige Jagd- 
hunde in Bronze sind wahrhaft ausdrucksvolle Tierporträte. 
Den Franzosen liegt die humorvolle Auffassung der Tierseele am nächsten. Es kommt 
dies am besten bei den zahlreichen und sehr gelungenen Affenstatuetten zum Ausdruck. 
Hierin glänzt vor allem Maurice Marx; ich vergaß, den Aßen von ]ouve zu erwähnen. Auch 
der Esel ist ein sehr dankbares Modell, wenn man die verschiedenen Phasen seiner Stützig- 
keit beobachtet. Froment-Maurice hat sechs possierliche Statuetten komponiert unter 
der Bezeichnung: „Les gestes des änes"! 
Von der Ausstellung der „Societe Nouvelle", welche aus Künstlern allerersten 
Ranges besteht, erwartet man selbstverständlich immer etwas Besonderes. Dieselbe findet 
heuer wie alljährlich bei Georges Petit statt. Sei es Übersättigung oder seien es zu hoch 
gestellte Anforderungen, einen ergreifenden tiefen Eindruck empfing ich diesmal nur von den 
Bildern von Rene Menard. Es sind klassisch schöne Gestalten in einer dämmernden ernsten 
Landschaft: zwei große Pastellbilder „Les baigneuses" und „Apres le bain", dann ein Aus- 
blick in die allerhöchste Bergwelt, in der jene ergreifende Poesie liegt, wie sie nur Menard 
herzaubern kann. Die beiden kleinen Ölbilder, ebenfalls badende Gestalten, diesmal am 
Meeresstrand, beweisen, daß der Künstler auch aus üirnmernden Lichtelfekten die beste 
Wirkung erzielen kann. Aman-Jean hat eine große Anzahl von Bildern ausgestellt. So lange 
seine geschlängelten, rauchumhüllten Figuren nur Allegorien darstellten, gab ich mir alle 
Mühe, dieselben bewundernswert zu linden. Der Meister bringt jedoch diesmal dieselben 
Prinzipien bei Ansichten ausVenedig zur Schau, und man kann sich eines gewissen Unmutes 
nicht erwehren, wenn man diese verkrümmten Dogenpaläste, diese wurmartigen Gondeln 
und das ganze in einer schmutzig-düsteren Atmosphäre wiedersieht! Meister Besnard glänzt 
mit drei farbenleuchtenden Bildern aus Udaipur. Die etwas harte Manier von Charles
	        

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