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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 4)

mit Ornamenten in derArt des Paul Flint nach Brackenheim verirrt, ein Stück, 
das vermutlich ehedem hohenzollernscher Besitz war. Ein wahres Juwel an 
zierlicher Goldschmiedearbeit ist ferner die Biberacher Monstranz aus der 
Werkstatt des Johann Baptist Schönfeld daselbst. Eine eigene Gruppe bilden 
die pompösen Augsburger Goldschmiedewerke aus der Zeit nach dem 
Dreißigjährigen Kriege. Wir begegnen Effektstücken ersten Ranges in den 
Scheibenmonstranzen von Ehingen, Ailingen sowie in der von Altshausen. 
Ihnen schließen sich die vollrund gearbeiteten barocken Augsburger 
I-Ieiligenfiguren an, während eine Reihe ganz hervorragender Augsburger 
Abendmahlskannen aus dem Anfange des XVIII. jahrhunderts den Höhe- 
punkt des Barockstils charakterisieren. Nicht in minderer Qualität ist das 
schwäbische Silber der Rokokozeit vertreten. Eine Augsburger Taufschüssel 
und mehrere Abendmahiskannen repräsentieren es in vornehmster Weise. 
Mit einigen Arbeiten der klassizistischen Richtung schließt diese verdienst- 
volle Publikation, die die bereits vorangegangenen Werke von Graul, 
I-Iintze, Schwenke und Lange, Czihak, und andern auf das willkommenste 
ergänzt. Noch sei hinzugefügt, daß eine sehr übersichtliche typographische 
Anordnung der Tafelbeschreibungen das Buch auch als Nachschlagewerk 
in hohem Grade geeignet erscheinen läßt. 
AUS DEM WIENER KUNSTLEBEN S0 VON 
HARTWIG FISCHEL-WIEN S0 
EZESSION. Einst war der Name Sezession ein Schlachtruf. Jede Ausstellung war 
eine besondere Leistung, die mit Anspannung aller Kräfte und mit Begeisterung 
inszeniert wurde. Oft waren glänzende Taten zu verzeichnen, die für die Zukunft Außer- 
ordentliches verhießen. 
Heute wandelt man durch dieselben Räume, die einst die Zeugen starken künstleri- 
schen Aufschwunges, einer Kunstrevolution auf Wiener Boden waren, mit andern Gefühlen. 
In der geschmackvollen Anordnung liegt alte Erfahrung. In der Art des Ausschnittes, 
in der Wahl der Formate, auch in den Zielen der ausgestellten Bilder liegt eine innere 
Verwandtschaft wie unter alten Weggenossen. Nichts packt uns, reißt uns aus der Alltag- 
stimmung mächtig heraus. Wir sehen Werke, die in demselben Schrittmaß wandeln wie 
vor zwei Jahrzehnten, mit dem gleichen unerreichten Ziel vor sich. Wir sehen einzelne einen 
Aufschwung nehmen zu größeren Taten, denen die Schwungkraü fehlt, uns mitzureißen. 
Sicher hat hier der Mangel an allgemeinem Kunstinteresse, an wahrer Kunstförderung 
viel verschuldet. Auftraggeber und Künstler, Aufgaben und Kräfte, sie zu bewältigen, sind 
die Vorbedingungen der Entwicklung. Wenn aber der Künstler nur mit Entwürfen und 
Projekten beschäftigt bleibt, erlahmt seine Kraft. Wenn Parteiungen und persönlicher 
Hader den Meinungsaustausch verbittem, werden die Außenstehenden mißtrauisch. Die 
maßgebenden Kräfte linden sich nicht zu gemeinsamer Arbeit. Von den Äußerungen 
kräftigen Ringens bleibt schließlich nur mehr die technische Fertigkeit und die formale 
Gewandtheit als Schale übrig, aus der sich der Inhalt persönlichen Empfindens und Eigen- 
lebens verflüchtigt hat. 
So anerkennenswert das Bemühen in dieser Ausstellung ist, dekorative Raum- 
schöpfungen vorzuführen, so sehr rnuß man bedauern, daß gerade bei diesen hoch
	        

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