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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 4)

KLEINE NACHRICHTEN S0 
EÜTSCHE VVOHN- UND FESTRÄUMEÄ" Ein Verlegerunternehmen muß 
von einem andern Standpunkt beurteilt werden wie eine Autorpublikation. Methode, 
Systematik, wissenschaftliche Ergebnisse und so weiter treten in den Hintergrund, 
geschäftliche Interessen sind ausschlaggebend. Je ehrlicher das einbekannt wird, desto 
besser. Bei dem vorliegenden Buche rechnet der Verleger mit den zahlreichen Interessenten 
aus der Künstler- und Laienwelt, die sich aus künstlerischem oder praktischem Anlaß ein 
reiches und leicht zugängliches Anschauungsmaterial der Interieurkunst früherer Jahr- 
hunderte verschaffen wollen. Diese Kreise dürfte das vorliegende Werk vollauf befriedigen. 
Es ist eine schöne Sammlung von Reproduktionen von Sälen, Stuben und festlich 
geschmückten Räumen verschiedener Art, vom XIII. bis zum XIX. Jahrhundert, die in 
vorzüglichen Lichtdrucken eine Fülle von Anregungen bietet und vielleicht auch manchem 
modernen Künstler zu Ideen verhilft, die mit den Anforderungen und Bedürfnissen der 
Gegenwart Stimmungswerte der Vergangenheit vereinigen. 
Für die gotische Zeit - die romanische ist nur durch klösterliche Saalbauten in 
Maulbronn und Trier vertreten - sind namentlich Schweizer- und Tiroler-Stuben heran- 
gezogen, auch für die Renaissance hat das deutsche Alpenland noch manches prächtige 
Beispiel beigetragen, doch finden sich innerhalb dieser Periode auch gut gestimmte 
Interieurs aus Mittel- und Norddeutschland, wie zum Beispiel die Säle aus den Schlössern 
Weikersheim und Urach in Württemberg, sowie manches bereits ziemlich Bekannte aus 
den Hansastädten, ferner aus Nürnberg, München, Augsburg, endlich köstliche nieder- 
sächsische Bauernstuben und so weiter. Das XVII. und XVIII. Jahrhundert ist haupt- 
sächlich durch Schloß- und Stiftsinterieurs aus Österreich und Süddeutschland vertreten, 
wozu noch einige Beispiele aus dem deutschen Norden und sehr intim wirkende Bauem- 
stuben aus verschiedenen Gegenden hinzukommen. Ein größerer Teil davon ist allerdings 
bereits wiederholt publiziert, dazwischen ist aber immer wieder weniger Bekanntes ein- 
gestreut. Über zwei Dutzend Bilder repräsentieren den Ernpirestil im Interieur. Hübsche 
Peseln aus Schleswig-Holstein und zahlreiche malerisch wirkende Treppenhäuser aus 
deutschen Kleinstädten ergänzen die wechselvolle Reihe. J. Folnesics 
EON BATTISTA ALBERTI. Zehn Bücher über die Baukunst. Übersetzt von 
Max Theuer." Die Kunstwissenschait arbeitet emsig an der Hebung vergrabener 
Schätze, beachtet aber nur selten die theoretischen Werke der Baukunst. Albertis zehn 
Bücher haben nun zum erstenmal eine Übertragung ins Deutsche erfahren und erfreulicher- 
weise geschah dies durch einen Architekten, der einige Kapitel auch mit ergänzenden 
Zeichnungen nach alten Bauwerken versehen hat. Das Buch ist nicht nur sorgfältig und 
geschmackvoll ausgestattet, es läßt auch eine gründliche und sachkundige Arbeit erkennen. 
Theuer hat sich nicht mit der Übertragung späterer Ausgaben begnügt, sondern ist auf 
handschriftliche Originale zurückgegangen, wie solche in Rom zu finden sind. Er hat eine 
große Aufmerksamkeit der umfangreichen Fachliteratur geschenkt, die er zur einleitenden 
Betrachtung der Stellung und Bedeutung Albertis heranzog und in zahlreichen An- 
merkungen zitiert. Es spricht eine große Liebe zum Gegenstand und zu emsiger Forscher- 
arbeit aus dem Werk, das ja einem Baukünstler gewidmet ist, der selbst auch humanisti- 
scher Forscher war. 
Alle diejenigen, welche in der Baukunst nicht bloß die praktische Betätigung schätzen, 
sondern in ihr auch eine Wissenschaft erblicken, werden das Buch gern benützen. Es 
enthält so wie fast alle Werke der Zeitgenossen Albertis vielerlei, was nur dem Respekt 
vor den Worten klassischer Vorfahren, und manches, was nur der Kurzweil verwöhnter 
" Deutsche Wohn- und Festräurne aus sechs Jahrhunderten, herausgegeben und eingeleitet von C. H. Baer, 
mit 304 Abbildungen. Verlag von Julius HoEmann, Stuttgart rgtz. 
"" Verlag Hugo Heller ü Co., Wien. 
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