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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 5)

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Se. k. u. k. Hoheit der durchl. Herr Erzherzog Karl Ludwig 
hat am 26. v. M. Nachmittags die graphische Ausstellung der Gesell- 
schaft fur vervielfältigende Kunst im Oesterr. Museum besichtigt. 
Bauemfeld-Denkmal. Für das Grabdenkmal des Dichters Eduard 
v. Bauernfeld waren 39 Concurrenz-Entwiirfe eingelangt, und vom 4.. bis 
15. v. M. im Säulenhofe des Oesterr. Museums ausgestellt. In der am it. 
stattgefundenen Jury-Sitzung wurden nach Ausscheidung jener Entwürfe, 
bei welchen eine große Ueberschreitung der in der Concursausschreibung 
bestimmten Dimensionen stattgefunden hatte, folgenden Entwürfen Preise 
zuerkannt, und zwar der erste Preis dem Entwurfe des Herrn Franz 
Seifert mit dem Motto: wLustspieln, Nr. 2; der zweite Preis dem Ent- 
wurfe des Herrn Richard Kaulfungen, Motto: "Wahrheit und Schönheitu, 
Nr. 23; der dritte Preis dem Entwurfe des Herrn Hans Scherpe, Motto: 
uMarmore Il, Nr. 36; der vierte Preis dem Entwurfe des Herrn Johann 
Benlt, Motto: wPax-i ll, Nr. 29. Dein Curatorium ist die Wahl unter den 
vier priimiirten Entwürfen vorbehalten. 
Gleich am ersten Tage der'Ausstellung hat Se. kais. Hoheit der 
durchl. Herr Erzherzog Rainer, geleitet von Director Hofrath v. Falke, 
die Concurrenzarbeiten besichtigt. 
Garoussel-Gostüm-Ausstellung im Oesterr. Museum. Samstag 
den 28. v. M. wurde die Ausstellung der bei dem Caroussel in der k. u. k. 
Hofreitschule verwendeten Prachtcostüme, ferner der Prunkwagen u. s. w. 
eröffnet. Die Costütrie sind im Saal Vl, die Wagen im Säulenhofe aus- 
gestellt. Die Ausstellung währt bis einschließlich i4. Mai. 
Neu umgestellt. Saal IV: Tisch aus exotischen Holzern (Eigenthurn des Herrn 
Baron Karl Walterskirchen in Graz); Stuhl (Eigenthum des Herrn Drey in München). - 
Saal Vll: Bild aus bunten Hölzern auf Staffelei (Eigenthum der Frau Marie Zander); 
Paravent, gemalt von Fräulein Henriette Filtsch; Holzbrandmalerei von Herrn Reinhold 
Sänger; Marmor-Relief von Herrn Antonio Ussai. 
Besuch des Museums. Die Sammlungen des Museums wurden im Monat 
April von 7357, die Bibliothek von 1454, die Vorlesungen von 135, und 
die Caroussel-Costurn-Ausstellung von x53; Personen besucht. 
Vorlesungen. Am t. März sprach Hofcaplan Dr. Heinrich Swoboda tiber iDie 4 
idealen Grundformen im kirchlichen Kunsthandwerku. 
Der Vortrag führte den Gedanken aus, dass unser kirchliches Kunstgewerbe der 
Gegenwart vorbildliche Formen in den entsprechenden Gerathschaften der Urkirche 
studiren könne und solle. Nicht eine Renaissance des antikchristlichen Stiles soll dadurch 
angeregt werden, dies sei unmöglich - wohl aber ist es berechtigt, jene Formen, welche in 
Wirklichkeit das durchgehende Grundproblem der späteren Traditionen blieben, nicht 
nur aus den oft verwirrenden Darstellungen einer späteren Umbildung mühsam zu er- 
kennen, sondern sie auch in ihrer reinen Ursprünglichkeit selbst zu erfassen. Auf die 
Kunst der Katakomben und Basiliken muss daher auch der moderne Architekt, ohne sie 
in ihren Details zu copiren. zurückblicken. ln der christlichen Antike wird der Grundton 
angeschlagen, der das spätere Fonnenspiel beherrscht. Bei der conservirenden Tendenz 
der Kirche erscheint jene Zeit als ältestes und allgemeinstes Fundament kirchlicher Kunst. 
Die richtige Beobachtung der liturgischen Vorschriften und historischen Erkenntnisse 
habe immer auch asthetisch dem kirchlichen Kunstler zum Vortheile gereicht. 
Ein sprechender Beleg hiefur ist die Entwicklung des Altars. Der Vortragende 
weist eingehend nach, welche ldee die Urkirche mit ihrer Altarbildung verfolgte und 
wie diese idealen, oder vielleicht ideellen Grundformen des Altars in den späteren Stilen 
erhalten oder verkannt wurden. Es ist dies die Tisch- oder Grabforrn (mensa, tumulus), 
die den eigentlichen Altar bilden. Retable, sowie alle Hochbauten der gothischen Flügel- 
altlre, wie der gigantischen Bilderrahmen des Renaissance- oder Barockstiles sind blos 
schmuckende Zuthaten und können durch Aufdringlichkeit oder Ueberwuchern den 
Grundgedanken des Altars zerstören. Mensa oder tumulus müssen constructiv als 
wichtigster Altartheil hervorgehoben werden und dürfen nicht als bloßes Postament des 
lahrg. 1894. 1 o
	        
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