MAK

Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 5)

jüngeren Künstlergeneration und zeigt in einigen größeren Ernailplatten, in dekorativen 
Temperastudien einen reichen und kräftigen Farbenreiz, eine groteske Linienführung, die 
starke persönliche Veranlagung zu dekorativen Wirkungen bergen. Seine Entwicklung - 
clurch Krankheit unterbrochen -- wird hoffentlich wieder zum Aufstieg führen, den er so 
verheißungsvoll begonnen hat. 
KLEINE NACHRICHTEN S0 
MANNHEIM. DIE AUSSTELLUNG DES DEUTSCHEN KÜNSTLER- 
BÜNDES. Fragt man, was den Ausstellungen des Künstlerbundes Sinn und 
Besonderheit in jedem Jahre neu verleiht, so sind es zwei Umstände, die ihnen stets 
i Interesse zuwenden. Zum ersten ist der Bund eine Vereinigung aller Künstler von Qualität 
in Deutschland: daher das hohe Niveau, das jedes Jahr wiederkehrt, die achtunggebietende 
Repräsentation der Besten, Anerkannten. Zum andern aber lockt der Villa Romana-Preis 
mit seinem freien Aufenthalt in Florenz und den 2000 Mark Jahreszuschuß regelmäßig die 
jungen Talente an, in den Lichtkreis breiter Öifentlichkeit zu treten; und so findet all- 
jährlich eine Blutauffrischung und eine Umschau unter dem hoffnungsvollen Nachwuchs 
statt, den eine weitherzige, wenn auch auf Qualität bedachte Jury neben ihren eigenen 
ausgereiften Werken gewähren läßt. 
Als drittes Moment kommt diesmal in der Mannheimer Kunsthalle, die dem Bunde 
gastfreundlich eingeräumt worden ist, als ernster Prüfstein und als Bindeglied mit der 
Tradition der großen Malereihinzu die Vergangenheit, das XIX. Jahrhundert. Der große 
repräsentative Oberlichtsaal ist mit den 26 besten Gemälden des jungen Museums gefüllt, 
und es verdient die höchste Anerkennung, was der Museumsleiter Dr. Wichert hier in 
nur drei Jahren geleistet hat. Denn diese Auswahl aus seinen Sammlungen bedeutet nicht 
nur die Vertretung der größten Meister der spezifischen Malerei im XIX. Jahrhundert, von 
Delacroix bis van Gogh und I-Iodler, sondern eine programmatisch abgekürzte Übersicht 
über die Entwicklung der großen Malerei seit hundert Jahren überhaupt in wahrhaft 
mustergültigen Stücken. Es ist ein Zeichen rastloser Energie und echter Kennerschaft, 
wenn Wichert das in so kurzer Zeit und unter den bei uns leider üblichen heftigen Wider- 
ständen gelungen ist; man sieht in diesen jetzt in einem Raum versammelten Meister- 
werken die Erfüllung langer Entwicklungsreihen und zugleich den Beginn von neuen, die 
sich in unsere Zeit hinein bis zu den Jüngsten fortsetzen; eine so treffliche Gelegenheit 
trifft man nicht so bald wieder in Ausstellungen! 
Die Meister des Künstlerbundes sind fast alle würdig vertreten; Hodler und Trübner 
sogar mit besonderen Sälen, von denen der l-lodlersche mit der heiteren Farbigkeit und 
Helle seiner späteren Bilder einen besonderen Zauber ausübt. Von Klimt bis Liebermann, 
von Kalckreuth bis L. von l-Iofmann sind die Größen unserer Kunst versammelt; besonders 
gut mit neuen Stücken L. Corinth. Und ebenso der Nachwuchs, der es mit seinen 
Leistungen bereits zu Ehren gebracht hat und den Impressionismus in verinnerlichter 
Weise fortbildet: die Berliner Beckmann, Meid, Waldemar Rösler, Theo von Brockhusen; 
die Münchner Weißgerber und Caspar (dem der Villa Romane-Preis zufiel): alle eint sie 
eine Art neuer Ekstase, ein Ideal von seelisch tieferem Klang. 
In ihrem Sinne einer Veredlung des Impressionismus wirkt dann ein sehr wesent- 
licher Teil der Jüngsten: ja auf dieser Ausstellung scheinen ihnen sogar die stärkeren 
Persönlichkeiten anzugehören. Das kommt zum Teil freilich daher, daß von der Gegen- 
partei die besten Namen fehlen (infolge von Mißverständnissen, scheint es): so Nolde wie 
Kokoschka, Schiele, Rohlfs wie Huber, Nauen, Marc. 
Unter den Neu-Irnpressionisten ragen als die stärksten Talente hervor: Dietze mit 
vielseitigem Können, Heckendorf mit leidenschaftlich begriffenen Landschaften, Krayn mit 
ungemeiner Kraft moderner Symbolik. Mehr in Beckmanns Art: Max Neumann und 
42'
	        

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