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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 6 und 7)

Prämonstratenser-Chorherrenstift Selau" (Kralovsky praemonsträtsky Klaster 
Zeliv) - Regia Canonia Ord. Praemonstratensis Siloensis - war ursprünglich 
als Benediktinerkloster vom Herzog Sobeslav I. von Böhmen und dessen 
Gemahlin Adelheid um 113g gegründet und von Mönchen aus dem Kloster 
Sazau (Sazava, auch St. Prokop genannt) unter ihrem Abte Reginhard 
(Regnard), einem sehr geschickten Architekten und Musivmaler, bezogen 
worden. Acht Jahre nach dem Tode der beiden Stifter, beide starben im 
Jahre 1140, mußten die Benediktiner das Stift verlassen und einer Prämon- 
stratenserkolonie aus dem berühmten westfälischen Stifte Steinfeld in der 
Eifel Platz machen, die sich unter ihrem Abte Gottschalk oder Godeschalk 
114g daselbst bleibend niederließ. Dies geschah mit Wissen und Willen des 
Herzogs, späteren Königs von Böhmen Wladislavs II. und des Prager 
Bischofs Daniel von Lipa, woher auch der Titel eines „königlichen" Stiftes 
herzuleiten ist. Eine Erinnerung an die beiden ursprünglichen Stifter enthält 
das Herzschildchen des Klosterwappens, in welchem das alte Wappen 
von Böhmen, der Adlerf und die beiden Buchstaben S (obeslav) und 
A (delheid) erscheinen. 
Den Prämonstratensern ging es in Selau im Anfange nicht besonders 
gut, erst als sich ihrer der Bischof von Olmütz, Heinrich Zdik, selbst ein 
Prämonstratenser, tatkräftig annahm, gestalteten sich die Verhältnisse in 
dem armen Stifte etwas besser. Abt Gottschalk war ein gelehrter und sehr 
frommer Mann, er versah das neugegründete Stift Lounovice mit Chorfrauen 
aus Westfalen, besiedelte Geras" und das in dessen Nähe gelegene Frauen- 
stift Pernegg sowie das imjahre 1183 eröffnete Frauenkloster in Unter-Kanitz 
im südlichen Mähren. Auch die südböhmische Abtei Mühlhausen (Milevsko) 
wurde im Jahre 1184 von Selau besetzt. Abt Gottschalk starb im Jahre 1184. 
Ein eigentlicher Stiftungsbrief für Selau ist nicht vorhanden, wohl aber 
eine Bulle des Papstes I-Ionorius III. vomjahre I226,mit der das Kloster Selau 
samt Zugehör in den Schutz der Kirche genommen wurde. Um diese Zeit 
hatte das Stift schon einen ganz ansehnlichen Besitz erworben. Es konnten 
infolgedessen auch kostspielige Bauten unternommen werden. Die um diese 
Zeit an verschiedenen Orten aufgeführten Kirchen tragen bereits ein aus- 
gesprochen gotisches Gepräge. 
In der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts hatte das Stift Selau 
empfindliche Verluste zu verzeichnen. Nach dem Fall des unglücklichen 
Königs Piemysl Ottokar II., 1278, war Böhmen der plündernden Soldateska 
des Siegers schutzlos preisgegeben. Kirchen und Klöster wurden beraubt 
und niedergebrannt, viele Ordensleute und Weltgeistliche erschlagen. Es war 
eine schreckliche Zeit, als auch noch die Pest dazukam und infolge dieser, 
weil der Ackerbau nicht ausreichend gepflegt werden konnte, eine Hungers- 
not sich einstellte. ' 
' Das alte Wappen von Böhmen zeigte im silbernen Felde einen ungekrönten, schwarzen, brennenden 
(das heiß: mit Flammen bestreuten) Adler, der bis zum Regierungsantritt Königs Pi-emysl Ottokar II. im 
Gebrauche stand. Die Zeichnung im [Gosterwappen ist also nicht ganz richtig aufgerissen worden. 
'" Der Abt von Selau führt heute noch den Titel „Pater abbas canoniae Gerusensis".
	        

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