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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 6 und 7)

Nach der Schlacht am Marchfelde fiel Raigern den alles vernichtenden 
Truppen des Königs Rudolf von Habsburg in die Hände. Bis zum Jahre 1281 
blieb das Kloster leer stehen, das heißt ohne rechtmäßigen Besitzer, denn 
sehr bald hatte sich in dem öden Gemäuer eine mehrere hundert Mann 
starke Räuberbande unter der Führung des Gerhard von Kunstadt-Obran 
eingenistet und benutzte das Kloster als Stützpunkt für ihre Raubzüge, bis 
es endlich dem böhmischen Feldherrn Zaviä von Rosenberg gelang, die 
Bande zu überwältigen. Erst im Jahre 1287 konnten die Brüder wieder in 
ihr altes Heim zurückkehren. 
Nun hatte die Stiftung einige Jahrhunderte lang Ruhe und konnte sich 
weiter entwickeln. Am Ende des Jahres 1527 wurde das Stift von 
pikardischen Banden überfallen und total ausgeraubt, wobei der damals die 
Leitung des Klosters führende Propst das Leben verlor. Zwischen den Jahren 
1543 und 154g brannte das Stift Raigern zweimal nieder, vermochte sich aber 
trotz all dem Unglück doch wieder zu erheben. Unter Kaiser Rudolf II. sollte 
im Jahre 1602 das Stift aufgehoben werden, entging aber diesem Schicksal 
über Verwendung des Kardinals Franz von Dietrichstein, der sich des arg 
bedrängten Klosters in tatkräftigster Weise annahm, aber die Freude 
darüber sollte von nur kurzer Dauer sein. Im Jahre 161g wurde Raigern 
durch einen Beschluß der rebellischen Stände von Mähren aufgehoben. 
Die Niederlage der Aufständischen in der Schlacht am Weißen Berge 
am 8. November 1620 gab den Brüdern von Raigern ihr altes Eigentum 
wieder zurück, doch kaum hatten die Mönche das Heim in Ordnung 
gebracht, wurden sie am 8. Dezember 1623 von den ungarischen Horden des 
Fürsten von Siebenbürgen, Bethlen Gabor, überfallen und total ausgeraubt. 
Auch das folgende Jahr war für Raigern als ein schweres zu bezeichnen; 
was die ungarischen Horden etwa übersehen hatten, fraß das kaiserliche 
Kriegsvolk auf. Die Geschichte von Raigern ist reich an solchen Unglücks- 
noten. Im Jahre 1645 waren es die Schweden, 1663 die Türken, 1742 die 
Preußen, die das arme Stift nie zu einer Erholung kommen ließen, doch war 
es nicht umzubringen, es kam stets wieder in die Höhe und es hätte sich's 
verdient, den Vogel Phönix als Wappentier in seinen Schild zu erhalten. 
Im Jahre 1687 erhielten die Pröpste von Raigern endlich auch das 
Recht, sich der Pontifikalien zu bedienen. Bis zum Jahre 1690 waren die 
Pröpste stets aus der Reihe der Professen des Mutterklosters Brevnov- 
Braunau gewählt oder direkt von den Äbten desselben bestellt worden. Erst 
im Jahre 1690 erscheint zum erstenmal ein Raigerner Profeß, Placidus 
Novotny, als Propst von Raigern gewählt, der auch zum erstenmal von 
den im Jahre 1687 zugestandenen Pontifikalrechten Gebrauch machte. 
Im Jahre 1813 wurde nach langem Bemühen das Stift selbständig und 
eine Abtei, als deren erster Abt Augustin Koch erscheint. 
An einer Urkunde des Abtes Bavarus von Brevnov vom z. Februar 1321 
Findet sich zum erstenmal neben dem Siegel der Abtei Bi-evnov ein eigenes 
Siegel der Propstei Raigern. Das Siegelbild zeigt den heiligen Petrus in
	        

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