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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 6 und 7)

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Rahmen seines Landes und seiner Zeit?" Unserer Antwort sei voraus- 
geschickt, daß kein stilistisches Kriterium dafür spricht, den Altar in den 
Beginn des XVI. Jahrhunderts zu verweisen. Ubell setzt ihn nach den drei 
Taubertal-Altären, in die ]ahre 1505 bis 1510, „in die Zeit, da Riemen- 
schneiders größtes und schönstes Steinskulpturwerk, das Grabmal für Kaiser 
Heinrich II. im Dorn zu Bamberg - zirka x4gg bis 1516 - entsteht". Meines 
Erachtens kann der Altar spätestens im letzten Zehnt des XV. jahrhunderts 
entstanden sein, und die präzise jahrzahl 1495, die Pillwein offenbar auf 
Grund sicherer Quellen angibt, verdient volle Berücksichtigung. Auch Ober- 
 
Abb. 9. Engel vom Hoclaaltar in Kefermarkt 
christl bemerkt sehr richtig: „Diese Jahrzahl stimmt auch mit der am großen 
Kruzifix (zwölfte Station) angebrachten Jahreszahl 1497, welches wohl erst 
nach Errichtung des I-Iochaltars geschnitzt wurde." 
Ubell übergeht diese beiden entschieden beachtenswerten Daten voll- 
ständig; auch die Jahrzahl 1497 ist insofern für die zeitliche Fixierung des 
Hochaltars wichtig, als der Cruzifixus aller Wahrscheinlichkeit nach von 
dem gleichen Meister stammt, wie der Vergleich mit dem heiligen Christo- 
phorus - man beachte Hals und Brustbein, Beine und Lendentuch - 
belegt. Mit der Zeit kurz vor 1495 steht aber auch der Altar in vollem 
Einklang. 
Ubell sieht in dem Harnisch des heiligen Georg den „gleichen Typus", 
wie ihn uns Dürer auf der bekannten Zeichnung eines Reisigen in der 
Albertina, von 1498, und auf dem Stich „Ritter, Tod und Teufel" (B. 98) zeigt. 
Das ist ein absolutes Verkennen der Tatsachen. Für die Zeit der vollen 
Umbildung des gotischen in den Renaissancehamisch, also um 1500, sind 
Neuerungen wie das oben horizontal geschobene Beinzeug und der hoch- 
gezogene Brechrand der Achsel auf Dürers Zeichnung von 1498 von 
Wichtigkeit. Die Rüstung des heiligen Georg von Kefermarkt entbehrt noch 
" Oberchristl, a. a. 0.. S. 50.
	        

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