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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 6 und 7)

mehr der Ansicht zuneigt f irre ich nicht, so vertrat Hugo Graf zuerst diese 
Anschauung - daß auch Riemenschneiders Taubertal-Altäre für farbige 
Fassung berechnet waren, so wird man meines Erachtens sich auch mit 
dem Gedanken vertraut machen müssen, daß auch der Kefermarkter Altar 
bemalt und vergoldet gedacht war." 
Der Tod Christophs von Zelking, der 1491 starb, zu einer Zeit, wo der 
Altar vermutlich schon in Auftrag gegeben war, da er ja in seinem Schrein 
auch den Schutzheiligen des frommen Stifters birgt, mag die Vollendung des 
Werkes verhindert haben. Das Distichon seines Epitaphs: 
Plura suis voluit sic commendare diebus 
Extinctus meritam concidit ante diem 
läßt sich mindestens ebensogut auf den Altar als auf die Vergrößerung der 
Kirche, die nach Pillwein damals im Gange war, beziehen. 
Daß erst Veit von Zelking um das Jahr 1505, wie Ubell annimmt, den 
Altar in Auftrag gegeben hätte, schien mir schon aus stilistischen Gründen 
ausgeschlossen. Und sollte, was so ganz den Gewohnheiten der Zeit wider- 
spräche, der Stifter Veit darauf verzichtet haben, seinem Namenspatron auch 
nur das allerbescheidenste Plätzchen an dem iigurenreichen Werke einzu- 
räumen?! Erwähnt doch auch sein Epitaph, das ihn preist: 
militiae clarus pacisque per inclyta facta 
quae sub caesaribus praestitit ampla tribus 
nicht mit einem Wort irgend welcher Verdienste um Kirche und Altar. In 
fernen Kriegsdiensten entschwand seinem Geist die Stiftung des Vaters und 
so blieb dem herrlichen Werke die Krone der Vollendung versagt. 
ERWIDERUNG Sie 
In meiner Entgegnung auf die vorstehenden Ausführungen Halms kann 
ich mich um so kürzer fassen, als ich die Absicht habe, die Beziehungen des 
Kefermarkter Altars zur Werkstätte Riemenschneiders an anderem Orte 
eingehender und weiter ausholend darzustellen, als es mir bei der Publi- 
kation des Altars in „Kunst und Kunsthandwerk" aus Raumrücksichten 
opportun schien. Hier und heute sei nur das Allernötigste gesagt. 
I-Ialm mißversteht mich völlig, wenn er meine Äußerung „hätte Bode 
den Altar aus eigener Anschauung gekannt, so hätte er in ihm eine wesent- 
liche Stütze für seinen ,Meister des Creglinger Altars' gewonnen", so auf- 
faßt, als ob ich hätte sagen wollen, daß Bode, falls er den Altar gekannt 
hätte, ihn Riemenschneider würde zugewiesen haben; wogegen sich Halm 
dann unter Berufung auf Bodes „starkes stilkritisches Urteil" verwahrt. 
Aber dieses „starke stilkritische Urteil" konnte nicht verhindern, daß Bode 
" Mit dem unvollendeten Zustand des Altars, in den auch der Mangel von Gemälden auf den Außen- 
seiten der Flügel einzubeziehen ist, steht im natürlichen Zusammenhang die feste Versteifung der Flügel. die, 
wie wir oben sahen, wegen der Figuren der Ritterheiligen beweglich geplant gewesen sein müssen. Man 
versteifte die Flügel, als man sah, daß eine Vollendung des Altars - wohl aus materiellen Gründen - nicht zu 
erwarten stand.
	        

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