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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 6 und 7)

sänger" und, als eine Ergänzung, 
die Tänzerin mit dem leeren Lä- 
cheln und der Rachen Geste. Die 
blödsinnige Grimasse des Lebens 
scheint hier verdichtet, vergleich- 
bar den automatischen Marionet- 
tengebärden voll „Ennui" in man- 
chen Novellen Bangs. Noch greller 
zuckt das in der melancholischen 
Exzentrikkarilratur des toten George 
Seurat „Der Chahut": die hochge- 
schwungene Beinreihe in trocken 
mörteliger Farbenpunktierung. 
Weich und seidig aber wogen, 
duftig und schaumig, die koloristi- 
sehen Melodien des Meisters 
Renoir. t 4, 
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Die großen Deutschen: Leibl 
ist hier gegenwärtig mit dem spa- 
nisch anmutenden schwarzbärtigen 
Mann, dessen bleiches Gesicht den 
düsteren Hintergrund wie ein Blitz 
zerfetzt, und zwei blassen, be- 
seelten, aus dem Dunkel leuch- 
tenden Händen. Trübner, dessen 
Kabinett voll starker Menschen- 
bildnisse in altmodischer Gewan- 
dung mich in die AnnPsxfhäre von Linkustra der Bedburger Linkrustafabrik, entworfen von Professor 
Kellers „Grünem Heinrich" ver- Josef Hoffmann (Raum 35) 
setzt. Liebermann mit neuen Por- 
träten, unter denen der etwas verschwommen schwammige Hauptmann als Cinquantenaire 
nicht das stärkste ist. Sehr leibhaftig aber blickt Louis Ullstein mit flinken rechnerischen 
Augen und der unruhigen („ohne Sitzfleisch" könnte man sagen) Qui vive-I-Ialtung. Und 
groß gefaßt der Kopf des Professors Cohen: Gelehrter und Patriarch mit einem biblischen 
Kopf in weißem Haar; das Doppelkinn im Urväterkragen, die Augen nach innen 
gewandt unter dichten blauen Gläsern. Ganz nahe an diese Meisterporträte darf man 
Kalckreuths Lichtwark rücken (epikuräisch und mit Lebens- und Kunstverstand im Blick) 
und Kardorffs Diels, dies I-Iumanistenbild des Altphilologen, pergamenten in der Haut, 
mit kühlen, scharf sinnenden Forscherblicken. 
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Außerdem der alte Stamm: Von ihm fällt Ulrich Hühner mit der Reede von Trave- 
münde auf in einer schwingenden, gelösten Koloristik von Himmel, Wolken und Meer; 
Lederer mit einer empfundenen Landschaft; Pascin mit exquisiten Nummern aus seiner 
Schmetterlingsammlung kleiner Frisson-Mädchen in trägen Räkelstellungen. Slevogt mit 
sehr delikaten Geschmackskiinsten, exotischen Vogelbälgen, stahlblau schimmernd mit 
Reflets metalliques und den Krevetten auf Eis, kribbelig, haarzitterig, von zartrosa 
Schmelz im Glasig-Kristalligen der Eisstücke. 
Pankoks Generaltype aber scheint in ihrer aufgetragenen Papageiencouleur von Gelb, 
Blau, Rot mit weißem Federbusch bilderbogenhaft. Roeslers „Liebespaar", zu dem der 
Tod als Furchtgerippe unter dem Tisch verkriecht, bösartiger Kitsch und nicht der
	        

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