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Full text: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 6 und 7)

Stelle wert. Beck- 
manns „Untergang 
der Titanic" ist als 
Farbensymphonie 
mit dem grünblau- 
en Wigalla Walla 
schön, aber in der 
Darstellung ohne 
Grauen. Die farbi- 
gen Harmonien be- 
schwichtigen das 
Entsetzen und stim- 
men die Szene zur 
tragischen Idylle. 
Dämonie hat 
jedoch der nackte 
koboldhafte Reiter 
im Meergischt auf 
dem gebäumten Ge- 
spensterpferd von 
Berneis, und wäre 
es kein Rappe, so 
müßte es gewiß 
Mörikes Schimmel- 
 
reiter sein. 
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Linkrusta der Bedburger Linkrustafilä-glzxxerltgorfen von Professor Josef Hoffmann Ein schlul} 
wort über die Skulp- 
turen: Geballte Holzplastiken voll schwerlastender ungefüger Geschicke von Barlach. 
Kolbes van de Velde, ein eigenrichtiger Philosophenkopf. Fioris Jüngling voll gotischer 
Inbrunst und streng architektonischer Gebundenheit der Glieder an dem steil aufwärts 
sich rankenden Rumpf. 
Schließlich Gauls prachtvolle Panther, aus Stein gelagert, ganz animalisch und doch 
auch ganz Kunst aus dem Material gelockt, in groß gefaßter Vereinfachung voll 
schöpferischer Einsicht für das Wesentliche jeglicher Kreatur. Und nun verstand ich von 
neuem, daß ich jetzt in Ägypten so oft vor den lapidaren Tiergebilden, vor allem vor dem 
königlichen Horusfalken von Edfu, unseres deutschen Meisters gedachte. 
IE REFÜSIERTEN DER SEZESSIQN. Eine Reihe von Stamm-Sezes- 
sionisten hat in dieser Sommerausstellung, die im alten Haus soviel junge Kräfte 
mobil machte, verschlossene Türen gefunden und grollend in unmittelbarer Nachbarschaft 
ein Protestquartier aufgeschlagen. 
Dem gewohnten Brauche folgend geben auch sie ihrem Katalog ein Vorwort- 
epigramm: „Unsere Ausstellung verdankt ihre Entstehung persönlichen Gründen. Sie 
sollen hier schweigen. Wir lassen unsere Arbeiten für uns sprechen." 
Auch wir wollen uns nur daran halten und an diese Gründe, die vermutlich mit den 
heftigen Parteistreitigkeiten um das Präsidium Cassirer zusammenhängen, nicht weiter 
rühren. 
Da ist es nun vor allem charakteristisch und in der gesamten Ausstellungsgeschichte 
wohl ohne Vorgang, daß im „alten Haus" eine viel revolutionärere Luft weht als im neuen 
Refusierten-Salon. Man begegnet meist ruhigen, soliden Arbeiten, die in keiner Weise
	        
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