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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

geben beide nur in der primitiven gravierenden Art schlichter Linien- 
zeichnung die Gestalten der Verstorbenen, sind aber gerade hierin treffliche 
Belege für die Eleganz, mit der man diesen zeichnerischen Stil zu behandeln 
verstand, der in künstlerischer Hinsicht den plastisch-iiguralen Werken der 
Zeit vielfach überlegen ist. Wenige einfache große Linien, die den ungehemmt 
fließenden Falten des Ornates willig entgegenkamen, verleihen den schlanken 
Gestalten neben der beabsichtigten Repräsentanz äbtlicher Würde den 
Eindruck geschmeidiger Anmut und edler Fraulichkeit. Alles liegt in der 
Zeichnung. Versagen aber mußte diese selbstredend in den Köpfen. Ein 
Porträt darf man sich hier nicht erwarten, geschweige Seele und Leben. 
Erst der Grabstein des Abtes Leonhard Putzer, gestorben 1416, in der 
Veitskapelle bei St. Peter im Kirchenpflastef bedeutet hier einen erheblichen 
Fortschritt, oder richtiger vielleicht gesagt, er bildet den Ausgangspunkt für 
einen in Stil und Technik neuen Typus. Die Figur hebt sich zumal in den 
oberen Partien in ziemlichem Relief heraus. In der Auffassung der Abtiigur 
klingt noch die sanfte S-Linie nach, wie wir sie am Bilde der Äbtissin Katha- 
rina von Perneck finden und auch am Grabstein des Abtes Simon Farcher, 
gestorben 1412, in Seeon sahen. Um wieviel aber auch dieses letztgenannte 
-Werk das Bildnis des Abtes Leonhard an künstlerischer Größe und manuellem 
Können überragt, so offenbart dieses seine fortschrittliche Tendenz doch 
unverkennbar in der freieren Wiedergabe des menschlichen Körpers und 
ungezwungener Bewegungsmöglichkeit. 
Schon daß an die Stelle strenger Fron- 
talität das Dreiviertelprofil tritt, erweckt 
den Eindruck der Natürlichkeit und ver- 
leiht der Persönlichkeit bei aller würde- 
vollen Ruhe doch auch gemessenen 
Schwung des Einherschreitens. Unver- 
gleichlich höher aber steht dem Simon 
Farcher-Stein gegenüber das Bildnis 
des Abtes Leonhard in der Behandlung 
des Porträts. Dem Kopfe des Simon 
Farcher fühlt man deutlich das mühsame 
Ringen nach individueller wahrheits- 
getreuer Wiedergabe nach; es spricht 
aus ihm mächtig die Absicht des Meisters: 
„Ich lasse dich nicht, du segnest mich 
denn". Aber trotz allem erkennt man 
auch, die Aufgabe ging über seine Kräfte. 
Abt Leonhards Kopf, vielleicht nicht von 
der Rasse wie der des Simon Farcher, 
kommt offenbar seinem Vorbilde näher. 
Der Bildhauer ging weit mehr auf die 
 
Abb. 20. Vom Gruftstein des Peter Truchr- 
' Walz, a. a. 0., Nr. 45, S. 57. lachin er in Truchdaching 
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58
	        

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