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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

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Schöpfung der Grabplastik fehlt. Seine Stellung läßt sich am besten fixieren, 
wenn wir ihn als folgerichtige Entwicklung aus dem Grabrelief Simon 
Farchers betrachten. Die beiden Werken gemeinsame frontale Auffassung 
der Abtfigur kommt der stilvergleichenden Gegenüberstellung zugute. 
Zunächst die Figur für sich! Ein einziger Blick eröffnet den bedeutenden 
Umschwung von der Stilanschauung des XIV. Jahrhunderts, aus der heraus 
noch die Gestalt des Simon Far- 
cher entstanden ist, zu jener der 
ersten Hälfte des XV. Jahrhun- 
derts. Weich und biegsam ge- 
schmeidig steht Abt Simon vor 
uns; dem Duktus des Körpers 
folgen in sanftem Schwunge die 
Falten der Kasel und Albe, wie 
ein fröhliches Begleitmotiv wirkt 
das lustig sich schlängelndeVelum. 
Die S-förmige Bewegungskurve 
der Gestalt tritt noch besonders 
durch die reine Senkrechte des 
Pedums zu Gesicht. Spottete nicht 
die Körperfülle des würdigen Abtes 
dem Vergleiche, so könnte man 
wohl sagen, daß er wie ein 
schwankesBäumchenandeniesten 
Stab sich schmiege. Wie anders 
Abt Johann Zipfler! Mächtig ge- 
reckt und gestreckt erscheint sei- 
ne imponierende, nur etwas zu 
kleine Gestalt, die das ganze 
Selbstbewußtsein der hohen Wür- 
de erfüllt. Kaum, daß durch den 
vorgesetzten linken Fuß die Kör- 
perachse um ein Weniges aus der 
senkrechten gerückt  Def Abb. 22. Vom Grabstein des Abtes johannes Zipfler im 
organische Aufbau der Figur ist Kiosmizahenhashch 
besser verstanden, die Wiedergabe desselben frei von Zwang und Mühe. Am 
deutlichsten tritt die Stilwandlung in dem Faltenwurf zutage. An Farchers 
Grabstein beschränkt sich dieser auf einige große führende Faltenzüge, die sich 
in kleinere Falten auflösen und von solchen begleitet werden; trotz der starken 
Herausarbeitung des Reliefs ergibt sich durch das reizende Spiel von Licht 
und Schatten der Eindruck des Weichen, malerisch Zarten. Zipflers Ornat 
folgt der strengeren Dominante der Körperachse, indem von den erhobenen 
Armen die parallelen Röhrenfalten der weiten Glockencasula wie Stalak- 
titen senkrecht herunterhängen und die Falten des Hurnerale dieses Motiv 
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