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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

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an, doch darf sie keineswegs auf ein Versagen künstlerischer Kraft, sondern 
muß vielmehr als bewußter Verzicht gedeutet werden; schon das kleine 
Figürchen des Abtes Simon an der Tumba kann dies beweisen. Der Meister 
wollte es so; es war künstlerische Absicht. 
Wie unterscheiden sich vor allem die Arme! Bei dem Pienzenauer und 
Taufkircher das Steife, Eckige der Bewegung, die streng in einer Ebene 
verharrt, bei Aribo aber das natürliche Anschmiegen des Oberarrnes an den 
Körper und das rechtwinklige Hervortreten des verkürzt gezeichneten Unter- 
armes aus der Ebene und die fein beobachtete Beugung der Hände. Welcher 
Reichtum von Bewegungsmotiven hier gegenüber der nüchternen schema- 
tischen Behandlung der Arrne und Hände dort! 
Den wichtigsten Faktor, man darf ihn wohl kurzweg Stimmungsfaktor 
nennen, bildet der Mantel. Er faßt die Gestalt zusammen, er mäßigt den 
Lauf der Umrißlinie, er hebt die 
Leere zwischen dem Oberkörper und 
den Armen auf, die den Gestalten 
des Taufkircher und Pienzenauer 
etwas Zerrissenes gibt; er verleiht 
dem Unterkörper eine breitere Folie. 
All diese Einzelheiten ergeben als 
Summe eine Größe und Wucht der 
ritterlichen Erscheinung, wie sie 
jenen Rittern vollkommen mangelt. 
Trotz aller Symmetrie in den Haupt- 
linien des Mantels wechselt aber 
dennoch unauffällig das Gefältel, das 
auch ein klares Verständnis für eine 
überall sichtbarlich begründete Man- 
nigfaltigkeit erkennen läßt, wie zum 
Beispiel in den straffen, durch die 
Arme bedingten Schulterfalten, den 
frei und unbehindert abfallenden 
Längsfalten und den am Boden hin- 
schleichenden Säumen des Mantels. 
Aber all diese Einzelmotive können 
Vertikale und Symmetrie nicht ins 
Wanken bringen, ja in ihren Varian- 
ten scheinen sie nur da zu sein, um 
deren Grundzüge erst recht ins Auge 
treten zu lassen. Der Vertikalismus 
der Egürlichen Erscheinung wird 
noch besonders durch die Geraden 
der Bannerstange und des Schwertes 
Abb. z. Deckplatte des Grabmals des Pfalzgrafen Aribo _ _ _ 
im zum" Seeun gehoben. In dieser starren Linien-
	        

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