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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

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daß nicht zuletzt die Vergrößerung an sich (der Durchmesser der tönernen 
Scheibe zeigt ein vielfaches des Medaillendurchmessers) es war, was den 
Mathematiker I-Iirschvogel bei der Herstellung solcher Bilder interessierte, 
ähnlich wie später Wenzel Jamnitzer das Problem beschäftigte, plastische 
Figuren und andere Goldschmiedearbeiten in verschiedenem Maßstab auszu- 
führen (Abb. 20), eine Analogie, die in diesem Zusammenhang ihre besondere 
Bedeutung hat, weil an Jamnitzers Studien, die uns in einem Manuskript des 
South Kensuington-Museums erhalten sind, Johann Neudörffer stark beteiligt 
war. Falls auf Grund der vorstehen- 
den Feststellungen das Rätsel der 
_„Nachrichten" als gelöst gelten darf, 
wird man sich gewöhnen müssen, 
nicht mehr in dem Ausdruck „Bilder 
auf antiquitetische Art, als wären sie 
von Metall gossen" den Hinweis auf 
die Majolikatechnik I-Iirschvogels zu 
suchen. Die „Bilder", die mehr Ge- 
legenheitsarbeiten gewesen zu sein 
scheinen, nennt NeudörHer zuletzt. 
Im Vordergrund des Interesses - 
die Urkunden bestätigen das H stand 
die Majolikaimitation. Die Bezeich- 
nung „we1sch" in Verbindung mit 
dem Wort „schmelzen", das nichts 
mehr und nichts weniger heißt als 
„Glasieren","' kann schwerlich anders 
verstanden werden. „Welsch" hatte 
damals ja die einfache Bedeutung 
„italienisch", nicht den übertragenen 
Sinn „renaissancegemäß". So heißt 
es zum Beispiel in einem Nürnberger 
Abb. 23. Albarello vom Jahre 1544, Ulm Ratsverlaß vom Jahre 1546: nDen 
welschen paumeister, signor Antoni, 
vernehmen", oder in Hirschvogels eigenen Erläuterungen zu den Plänen 
von Wien: „spanische und welsche Maurer". Nicht anders versteht sich H. 
Michel Stifels „Rechenbuch von der Welschen und deutschen Practick", 
das r 546 bei Neudörffers Schwager Johann Petrejus in Nürnberg erschien 
und die Antwort ist auf die Übersendung einer Schrift Neudörffers. Merk- 
würdig ist insofern nur, daß Neudörffer an erster Stelle von „welschen 
Öfen" spricht, wie von einem feststehenden Begriff und allgemein verständ- 
lichen Handelsnamen. Man hat daran bisher nicht Anstoß genommen, 
 
" Vgl. Anton Tuchers l-Iaushahungsbuch, herausgegeben von Wilhelm boose, Stuttgart 1877 (Bibl. des 
Linerarischen Ver. in Stuttgart CXXXVI, S. x13: "1514 dem stadthafner von meinem ofen in der federn stuhen 
new zu setzen, darain drei new czeil von geschmeltzten kacheln".
	        

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