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Objekt: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 6 und 7)

den Habsburgern der neueren Zeit die Kunstpflege mit so leuchtendem 
Beispiel inaugurierte" . 
Es ist bereits von der Kunstforschung der beachtenswerte Umstand 
hervorgehoben worden, dass gerade die hier abgebildete Figur des heiligen 
Sebastian auch in dem bereits erwähnten berühmten Breviarium des Kardinals 
Grimani erscheint." Die Ähnlichkeit der beiden Gestalten ist tatsächlich 
frappierend; nur ganz unwesentliche Abweichungen sind in der Farben- 
gebung (bei der Schärpe) zu bemerken, auch ist der Heilige auf dem Bilde 
des Breviars mit kräftigerem Bartwuchs dargestellt und sein Gesichts- 
ausdruck etwas variiert worden. Aber selbst ein Forscher wie Eduard 
Chmelarz, der das einschlägige Material vollkommen beherrschte, wagte es 
nicht, aus dieser einen Tatsache konkrete Schlussfolgerungen zu ziehen 
und begnügte sich, die Vermutung auszusprechen, dass das von ihm 
entdeckte Monogramm P. B. vielleicht auf ein Mitglied der Miniaturisten- 
Familie Bynninck (Bening) hinweise. Auch hier hat nun Paul Durrieu an die 
Forschungen des verdienten Wiener Kunsthistorikers angeknüpft und dar- 
gelegt, dass sich unter dem Monogramm „P. B." Paul Bening, der Sohn jenes 
Alexander Bening berge, dessen Werke „annoncent dans la serie des 
miniatures flamandes et expliquent en quelque sorte les illustrations du 
Breviaire Grimani". H Durrieu hat auch nachgewiesen, dass sich die nämliche 
Sebastianfigur „qui semble la reproduction d'un patron d'atelier" in einem 
Gebetbuch der Pariser Nationalbibliothek (lat. 10555) und einem solchen 
des Britischen Museums (Ms. Egerton 1147) findeßi" 
So haben wir denn in dem Sebastianbild des Gebetbuchs Maximilians I. 
ein Bindeglied zu dem vollendetsten Werke, das die niederländische Miniatur- 
malerei geschaffen hat, und mittelbar auch zu jenem Bildercodex der Wiener 
Hofbibliothek, der als naher Verwandter jenes Kleinods von der Kunst- 
forschung seit langem anerkannt und gewürdigt wurde. Es ist dies die mit 
den herrlichsten Bildern geschmückte Kopie der von Sebastian Brandt 
bearbeiteten deutschen Übersetzung des Hortulus animae (cod. 2706). 
Da der Abschrift ein X510 in Strassburg erschienener Druck der 
bezeichneten Übersetzung als Vorlage diente, so fällt die Entstehung 
natürlich später, und zwar, wie wir noch sehen werden, spätestens 
in die Jahre 1517 bis 1523. Weder über Auftraggeber noch über den oder 
die Meister, die den bildnerischen Schmuck besorgten, enthält der Text 
unserer Prachthandschrift irgendwelche Hinweise. Eingehender Forschung 
ist es aber gelungen, in der einen wie in der andern Beziehung ziemlich 
bestimmte Resultate zu gewinnen. Bereits Waagen hat aus dem auf 
Blatt 320 angebrachten, mit einer Perle geschmückten M erschlossen, 
dass die Bestellerin der Handschrift die Statthalter-in der Niederlande, 
" Tafel 64 in dem früher zitierten „Facsimileh S. Sebastian erscheint dort mit Papst Fabian dem Heili- 
gen zusammen. 
ü" Vgl. Durrieu, Alexandra Bening et les peimres du Breviaire Grimani (II). Gazette des Beaux-Arts, IIIe 
Periode VI (1891) 69. 
in" A. a. O. S- 5G.
	        

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