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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

gestaltung der Schmalseiten ebenso wie 
aus ihrer wesentlich sorgfältigeren 
Durchführung erhellt ohne weiteres, 
daß sie als die eigentlichen Schauseiten 
der Tumba gedacht waren. 
Wer war der Meister des Werks? 
Wohl nennt uns das Grabmal den Na- 
men jenes dankbaren Abtes, der es 
errichten ließ, Simon Farcher, und 
seine genaue Entstehungszeit - 1395 
bis 1400 -, aber vergebens sucht das 
forschende Auge nach dem Namen 
oder einem Zeichen des Schöpfers. 
Sighart, der das prächtige Werk nur 
flüchtig erwähnt, berichtet, ein Bildhauer 
Hans Heider habe es um 110 Pfund 
Pfennig w an anderer Stelle spricht er 
von 1 xo Gulden - verfertigtfk In beiden 
Fällen vermißt man jegliche Quellenan- 
gabe, so daß eingehendere Forschungen 
nach Richtigkeit der Nachricht, Herkunft 
 
. .. . . Abb.5.Prophet ti nd Dckplatted SH: - 
des Meisters und ahnhchem mehr blS gjßbiißimilejiseeo, es i er 
jetzt ohne jeden Erfolg blieben. "i Trotz- 
dem mag, solange Sigharts Angaben nicht erschüttert werden, der einmal 
mit dem Werk in Verbindung gesetzte Name Hans Heider als der des 
Meisters des Grabmals beibehalten werden. 
Hans Heider ist Plastiker durch und durch. Scharf und voll geprägt sind 
alle Formen, nirgends ist der Ausdruck und die Erscheinung auf eine An- 
deutung, auf eine zeichnende Linie beschränkt. Darum herrscht bei ihm ein 
ausgesprochenes, fast bis zur Freiligur gesteigertes licht- und schattenreiches 
Hochrelief. Er beherrscht die Form wie kein anderer seines Gebietes, aber er 
gibt sie nicht als Stempel der Natur, sondern als eine aus dem Realen und 
Individuellen in das Ideale herausgehobene Übersetzung, unter der jedoch 
nie die Differenzierung der Charaktere leidet, wie die Propheten- und Engels- 
köpfe belegen. 
Für Heider ist vor allem bezeichnend das Verständnis für das Stoffliche 
und Organische. Die Fältelung der Gewänder, namentlich bei den Propheten- 
Figürchen, die reiche Zattelung des Bahrtuchs, der fein gewundene Blattstab 
der Deckplatte, die minutiösen Bordüren der Schriftbänder der Propheten, 
die zierliche Auflösung des I-Iaupt- und Barthaares in einzelne Locken und 
dieser wieder in einzelne Haare zeugt von einer Freude am Kleinlich-Sub- 
" Sighart, Geschichte der bildenden Künste in Bayern (X863), S. 498. - Derselbe in der „Bavariew. I 
(1860), S. 267. 
'" Vergleiche auch: Monatsschrih des historischen Vereines von Oberbayem. 1893, S. 85, und 1897, S. 13.
	        

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