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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 11)

aus der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts zu sein, 
den wiederum Graf Wilczek überwies. Das Ganze als 
Komposition und dann all die hübschen Details, die 
aufragende, mauerumgebene Stadt, das Gartentor und 
der Holzzaun mit den darüber emporstarrenden Waffen 
der Häscher machen den feinen gegenständlichen Reiz 
des Reliefs aus. 
In schweren, wuchtigen Renaissanceformen ist das 
hochinteressante, gefaßte Buchenholzrelieff (Abb. 17, 
auch aus Kreuzenstein stammend) gehalten, das offenbar 
eine Gerichtsszene veranschau- 
licht, deren sichere Deutung auf 
den ersten Blick nicht leicht ist. 
An ein Urteil Salomons ist nicht 
zu denken, die ikonographische 
Deutung schwankt zunächst zwi- 
schen der Darstellung der Esther 
vor dem König und der Susanna 
vor dem Richter. Die erstere 
Szene hat aber doch auszuschei- 
den, weil bei den zahlreichen 
, Abbildungen derselben in der 
AbbJj-yl-Iolzligurdeshgi. Buchillustration des XVI. Jahr- 
"Ee-"Mariin-Tirolium '50" hunderts Esther jeweils von ihren 
(Museum m Troppau) Frauen begleitet erscheint. Somit 
bleibt nur die Szene aus der Legende der Susanna 
übrig, die von den beiden heuchlerischen Alten zu 
dem Richter gestoßen wird. Darauf deutet auch die 
Handbewegung der beiden rechts von der Frau ste- 
henden Männer, eben dieser alten Verleumder, hin. 
Ähnlich ist die Szene übrigens auch auf dem Stich 
Aldegrevers aus dem Jahre 1555 (B. 31) dargestellt. 
Am ehesten ist das Relief als schwäbisch anzusprechen, 
wobei wieder in ersterLinie Augsburg inBetracht käme. 
Aus Köln stammt die spätgotische, niederrheinische, 
aus Eichenholz geschnitzte Figur der heiligen Katha- 
rina (Abb. 18, Geschenk des Grafen Wilczek). Sie ist 
ganz von vorn gesehen, in schlicht gefaltetem Gewand 
mit ausgebreiteten Händen, welche die Reste des 
Rades halten. Das Haupt krönt ein Stirnband mit 
Kleinod, eine reiche Schließe hält den Mantel über 
"' Julius Leisching hat dasselbe im x. Bande seiner „Figuralen Holz- Abb. 14. Holzügur eingf Hai. 
plastik" als „Urteil Salomos, Bayrisch, Anfang XVI. Jahrhundert, unbemalt, ligen,WerkstattvonTilmann 
Besitzer Dr. Figdor" publiziert. Ergänzt ist an dem Relief kein Detail, wie Riemenscbneider (Museum 
Leisching weiterhin angibt. in Tmppau) 
 
	        

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