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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 11)

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fürst Friedrichs zu Wittenberg" 
(vielleicht von Dürer). Dann 
gibt es eine Plakette im Ger- 
manischen Museum, einen Stich 
vom Monogrammisten I H 15 3x 
(Nagler, Monog. III, 2525) und 
endlich eine Nürnberger Medail- 
le der ehemaligen Sammlung 
Lanna (Auktionskatalog III, 
1492, T. 55, im Katalog die 
merkwürdige Erklärung von 
einem „geköpften Bären"), die 
inhaltlich unserer Scheibe nahe- 
stehen. 
Eine weitere Monolith- 
scheibe ist gleichfalls durch ein 
soeben erschienenes Werk lo- 
kalisiert worden. Leo Balet hat 
in seiner „Schwäbischen Glas- 
malerei" (Stuttgart 1912, S. 45, 
Abb. VIII) nachgewiesen, daß eine um 1630 entstandene schwäbische 
Scheibe unseres Museums, die das Trinkgelage einer Glasmaler- oder 
Malergesellschaft darstellt, aus der Werkstätte der Reutlinger Glasmaler- 
familie Maurer stammt, zumal da das Künstlerwappen auf den drei Schildern 
identisch sei mit einem Siegel des Christoph Maurer aus dem ]ahre 1673. 
Voll intimen Reizes ist all das Beiwerk: die Kostüme, Möbel und die Trink- 
geräte sowie die kleine ins Butzenscheibenfenster eingesetzte ovale Wappen- 
scheibe. Aus dem Besitze eines schlesischen Landgeistlichen im Jägerndorfer 
Kreis erwarb das Museum eine interessante Olmützer Goldschmiedearbeit 
der Spätrenaissance, einen Serpentinpokal mit silbernem, vergoldetem 
Fuß und Deckel. Der graugrüne, grau gefleckte und geaderte Ton des 
Steines verbindet sich mit dem warmen Gold des Metalls zu feiner 
dekorativer Wirkung. Es wäre eine lockende Aufgabe, einmal die von Gold- 
schmieden und Zinngießern montierten Serpentingefäße der Renaissance 
und Barockzeit zusammenzustellen und zu beschreiben. Man liebte den 
Stein im XVI. und XVII. Jahrhundert sehr, und besonders die Fassung in 
Edelmetall bezeugt den Wert, den man ihm zuschrieb. Vor allen Dingen 
wäre es wichtig, die alten Fundorte zu eruieren, in denen man den Serpentin 
bergmännisch förderte. Wir wissen von alten Bergwerken in Plurs (Grau- 
bünden, jetzt in italienischem Besitz). die 1618 durch einen Bergsturz zer- 
stört wurden. In Plurs haben sich, wie mir Dr. Angst mitteilt, Goldschmiede 
während der Renaissancezeit angesiedelt, die den Stein gleich an Ort und 
Stelle faßten. Eine ähnliche Kunsttätigkeit läßt sich in derselben Epoche in 
" Bruck, Kurfürst Friedrich der Weise, S. x50. 
 
Abb. 23. Runde Scheibe mit Darstellung eines Gastmahles, 
Köln, um 1510 (Museum in Troppau) 
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