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Full text: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 11)

keiten heischen, über 
all das ist eine volle 
Einigung möglich. Von 
diesen Dingen muß 
deshalb die Bildung ei- 
ner allgemein gültigen, 
Produzenten und Kon- 
sumenten, Bauherrn 
und Baumeister glei- 
chermaßen umfangen- 
den Tradition ausge- 
hen. Nicht indem er 
den Trieb zu gestalten 
möglichst dominieren 
läßt, wird der Architekt 
seinerwesentlichenAuf- 
gabe gerecht, sondern 
dadurch, daß er stets 
dasNächstliegende ehr- 
lich und freudig tut, 
wird er auch monumen- 
talen schöpferischen 
Arbeiten entgegenrei- 
fen. Ist die Fähigkeit 
dazu in ihm, so wird 
er dann etwas hervor- 
bringen, in dem Zeit- 
wollen und Persönlich- 
keit zu einer höheren 
Einheit verschmolzen sind, hat er die Gabe nicht, so wird alles Mühen 
doch nur eine lebensunfähige Treibhausblüte zeitigen. 
Wie das sein kann, zeigen Tessenows Werke. Wenn er einen Küchen- 
stuhl macht oder ein Arbeiterhaus um ein paar tausend Mark oder eine 
gezimmerte Gartenlaube, so denkt er nicht an Schönheit und persönliche 
Note, nicht an ein nettes Interieur oder ein reizendes Straßenbild, sondern 
er will nur das Material am besten und praktischesten behandeln, die vor- 
handenen Mittel aufs möglichste ausnutzen, kurz er löst die Aufgabe, sei 
sie bescheiden oder anspruchsvoll, ohne Nebengedanken und Nebengefühle. 
Weil er aber bei seiner Arbeit mit ganzem Herzen dabei ist, wird immer 
etwas Freudiges und Anmutiges daraus; denn g ich muß es mit T essenows 
klassisch schönen Worten sagen - „wirklich schmücken können wir unsere 
Arbeit nur durch die Freude, die wir bei der Arbeit empfinden, nicht durch 
Gefallsucht". Und weil er eben in dieser Art arbeitet und dabei ein ganzer 
und echter Künstler ist, wird alles, was er anfaßt, um es zweckdienlich zu 
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Heinrich Tessenow, Laube
	        

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