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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 11)

Einen Licht- 
blick brachten in 
diesen hohlen Thea- 
terbombast die aus- 
gezeichneten kolori- 
stischen Experimen- 
te Segers, der in An- 
lehnung an Alt-China 
Versuche mit farbig- 
Hammenden Über- 
laufglasuren machte 
und mit seinen Va- 
sen von schlichter 
Form und warmer, 
wolkig schimmern- 
derI-laut delikate Re- 
Heinrich Tessenow, Laube sulmtg efzielte_ Die 
wirkliche Wendung 
aber kam erst nach rgoo, nachdem Berlin auf der Pariser Weltausstellung vor dem 
europäischen Kunstgeschmack so schlecht abgeschnitten. Man berief einen neuen 
modernen Mann, Schmuz-Baudiss, der dann auch Direktor wurde. Und nun kann sich 
die KPM neben Kopenhagen, Meißen, Sevres sehen lassen. 
Die Unterglasurmalerei blüht nicht nur in den matten milchig-grauen Tönen der 
dänischen Manufakturen sondern in reicher Palette bis zu einem emailhaften Glanz des 
flächigen Blumendekors. Die Kleinskulptur stellt sich vielseitig reizvoll dar, natürlich auch 
mit einem gut besetzten Tiergarten durcheinander hockender Kaninchen, Dackel, plustriger 
Eidergänse, gummigrauer Robben, weißer Eisbären, streiliger Zebras. Dann kapriziöse 
Figurinen im engen Rock, Hachem Taschenmuff, das Hündchen im Arm, prickelnd wie 
eine moderne Graphik und voll pikanter Anmut die Baigneuse im abgetönten Trikot in 
besh-ickender horizontaler Kurve liegend. 
Und als plastisches Wahrzeichen des jubilierenden Jahres die polygone Plakette mit 
dern Doppelbildnis des königlichen Patrons von einst und jetzt: Tete-a-Tete Friedrich der 
Große und Wilhelm der Zweite. 
 
ERLIN. HERBSTSALON. Dem „ersten deutschen Herbstsalon", den die Zeit- 
schrift Sturm und der Sturmgeselle Herwarth Walden „mit Hilfe eines reichen Kunst- 
freundes" aufgebaut haben, steht Berlin ziemlich fassungslos gegenüber. 
Hier werden in einer Sammlung von fast vierhundert Bildern die gesamten Bestre- 
bungen der malerischen Ultras aller Länder vorgeführt, der Expressionisten, Kubisten, 
Futuristen. Mit billigem Witz ist eine solche Heerschau kaum abzutun; es ist doch wohl 
wichtiger, das Befremden vor dem Extremen durch einen strengen Willen zur Sachlich- 
keit zu überwinden, in ungewohnte Gedankengänge sich zu versetzen, zu neuen Ausdrucks- 
formen die entsprechenden Gesichtseinstellungen zu versuchen. 
Erst dann wird man so etwas wie Bewertung probieren können und das Wichtigste, 
aber auch das Schwierigste vornehmen, die Scheidung der Echten, die aus innerer Not- 
wendigkeit sich diese Form erwarben, von den Mitläufern, die sensationshah: die neue 
Manier fingerfertig nachmachen. 
Eins scheint gewiß, es spielt in diesen Richtungen das Doktrinäre, Spekulierende, 
Experimentiersüchtige eine übergroße Rolle. Ein häufig behandeltes Thema ist zum Beispiel 
die Variationsmöglichkeit von Bewegungsmotiven, besonders bei italienischen Futuristen. 
So malt Giacorno Balla in seinem Bild Rhythmus des Bogens, die Hand am Violinbogen 
in verschiedenen Figurationen, derart, daß vier Hände hintereinander schattenhaft sich
	        

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