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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 10)

turen wohl geeignet wären, als Grundlage einer äußerst interessanten Mono- 
graphie zu dienen, die das auf diesem Gebiete wissenschaftlich Festgestellte 
in willkommenster Weise zu ergänzen geeignet wäre. 
Ein großer Oberlichtsaal beherbergt die Malerei und Plastik jener Tage. 
Not und Tod haben auch hier manchen Wandel geschaffen. Vor allem ist 
eine Vertiefung des Emplindens und ein Erwachen schlummemder Kräfte 
bei allen geistig Lebendigen eingetreten. Sentimentale Gemüter wenden sich 
der Romantik zu und treten mit ihrer persönlichen Empfindung in den Vorder- 
grund, Rationalisten reinigen ihr ästhetisches Gewissen an den Vorbildern 
der Antike, schlicht empfindende, idyllisch veranlagte Künstlernaturen 
bereiten in Darstellungen aus dem bürgerlichen Leben die Zeit des Bieder- 
meiertums vor. Daneben allerlei rein Äußerliches und Theatralisches nament- 
lich im Porträt, alle überragend aber Werke wie die von Overbeck, Schinkel, 
Füger und andern Großen. Für die Interieurkunst der Empirezeit geben uns 
ein Musik- und ein Schlafzimmer in vornehm bürgerlicher Ausstattung 
freundlich anmutende Beispiele. Der letzte dieser 56 Säle ist gleichsam 
das bayrische Gegenstück zum Saal des Fürsten Schwarzenberg. Es ist der 
Salon des Feldmarschalls Karl Philipp Fürsten von Wrede aus Schloß 
Ellingen, ausgestellt vom Urenkel des Feldmarschalls, ein Prunkraum mit 
prächtigem Mobiliar, Bildern, Bronzen und sonstigen Kunstwerken. 
Wir verlassen die Ausstellung durch dieselbe Halle, durch die wir sie 
betreten haben. In goldigem Lichte, das durch die gelben Scheiben der 
Kuppel fällt, erglänzt der Raum, wie von der Morgensonne beschienen, 
und noch einmal fällt der Blick auf die alte, schwarze Karosse in der Mitte, 
es ist der Reisewagen Napoleons, den Blücher am Abend des I8. Juni 1815 
nach der Schlacht bei Belle-Alliance erbeutet hat. Er wurde herbeigebracht 
aus dem Blücherschen Schlosse Radun, gleichsam als Symbol des völligen 
Zusammenbruches des Mannes, vor dem ganz Europa gezittert hatte. 
Man tritt ins Freie mit dem Gefühl, eine große Zeit gleichsam mit- 
handelnd durchlebt zu haben. Die Tausende von Vorführungen haben sich 
in unserem Geiste nicht verwirrt, sondern zu einheitlicher Gesamtwirkung 
verdichtet. Das danken wir der ausgezeichneten Organisation der Ausstellung. 
Jedes Ding bleibt auch in der vorstellenden Rückerinnerung an seinem Platze, 
so wie es der ordnende Gedanke in der Ausstellung an den richtigen Punkt 
gestellt hat. Diese Übersichtlichkeit und systematische Anordnung wurde 
dadurch ermöglicht, daß man das Gebäude erst in seinem Grundriß kon- 
zipierte, als man über den Plan der Ausstellung völlige Klarheit gewonnen 
hatte, so daß für jede Gruppe ein entsprechender Raum geschaffen, die 
Ausstellung auch als Ganzes, reiflich durchdacht und wohl gegliedert, durch- 
geführt werden konnte, und diese in hohem Maße geglückte Organisations- 
arbeit ist wesentlich das Verdienst eines Österreichers. Die Ausstellung, 
einzig in ihrer Art, ist eine unvergleichliche Darbietung von dauerndem 
ethischen und erziehendem Wert, für die der Stadt Breslau und allen, die 
sich daran beteiligt haben, der Dank aller Deutschen gebührt.
	        

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