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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 10)

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Waldmüller ist zu einer monumentalen Ehrung gelangt, und das bunte Großstadtpublikum 
des vielbesuchten Gartens hat eine leicht verständliche Erinnerung an einen Mann erhalten, 
der aus der Berührung mit der Natur und einfachen, natürlichen Menschen die Impulse 
zu wertvollen und bleibenden Kunstwerken holte. 
Daß diese ihrer Zeit vorauseilten, daß schwere Kämpfe mit dem Unverstand seiner 
Umgebung, seiner Vorgesetzten und Kollegen den Künstler zu einem Opfer seiner Über- 
zeugungen werden ließen, vergißt man angesichts dieses lächelnden Naturfreundes. 
Daß er in den Schatten gestellt wurde und von grünen Reüexen bleich gemacht 
wird, mag eine ungewollte symbolische Beziehung enthalten, es schadet aber wohl der 
Wirkung jedes Denkmals. 
Als Kunstwerk fußt das Monument weniger in den Anschauungen oder Bestrebungen 
unserer gärenden Zeit als in den Konvenienzen und in der Sentimentalität jener Epoche, 
der Waldmüller selbst sich zu entreißen strebte. 
ÜGÜ HELLER. DIE NEUE KUNST. Mit Walter Fürst und Grete Wolf 
beginnt der Kunstsalon Heller eine Serie von Darbietungen jüngerer Kräfte. Es 
handelt sich hier nicht um reife Kunst, sondern um Strebungen, die bei Walter Fürst trotz 
Geschicklichkeiten und Kühnheiteu noch äußerlich wirken, weil ein theatralischer Kern in 
Mache und Gegenstand liegt, während Fräulein Wolf der Natur wohl näher kommt, aber 
doch nicht nahe genug, um ganz zu erfreuen. Man fühlt bei der jungen Dame Streben 
und Begabung, sieht, daß sie sich von fremden stärkeren Leistungen noch nicht genug 
frei gemacht hat und darum auch zwischen Naturstudium und Stilismus, zwischen Stimmung 
und Plakatwirkung schwankt. Jedenfalls ist die Energie und der Wille nach guten Zielen 
gerichtet. In unserer raschlebigen unruhigen Zeit ist man jaschnell entilammtund rasch wieder 
abgekühlt. Man bleibt darum auch den Suchenden gegenüber empfänglicher und entgegen- 
kommender als man es früher war. Es ist nur zu begrüßen, wenn der Kunstsalon Heller 
verschiedenartigen jüngsten Versuchen Raum gibt. Man wird dann auch wohl solchen 
begegnen, denen die Zukunft Wertvolles zu danken haben wird. 
ALERIE MIETHKE. ANTON FAISTAUER. Mit einem aus der 
jüngsten Wiener Künstlergruppe, die vor wenigen Jahren in dem Gebäude der 
Sezession zum erstenmal vor die Ölfentlichkeit traten, hat die Galerie Miethke ihre 
temporären Ausstellungen wieder eröffnet. Es ist vorwiegend die Arbeit des letzten Jahres, 
die Faistauer zeigt, Porträte, Akte, Landschaften, Stilleben, also ein großes Programm. 
Gemeinsam ist allen Arbeiten noch das Ringen nach Ausdruck, das Suchen nach krähiger 
Farbe, manchmal auf Kosten der Form, das vorwiegend malerische Sehen in der Natur, 
die temperamentvolle, kecke Behandlung des Materials. 
Es sind noch vielfach Einllüsse von auswärts _ insbesondere von Frankreich - zu 
fühlen, daneben viele eigene kraftvolle Schönheiten, die einem begabten, werdenden Künstler 
im Arbeitsdrange entsprangen. 
Insbesondere die Porträte und Aktstudien verraten ein Können, das zu erkennen 
Freude bereitet. 
KLEINE NACHRICHTEN SI- 
BERLIN. JURYFREIE KUNSTAUSSTELLUNG 1913. Eine nachdenk- 
liche Fügung bewirkte, daß die "Juryfreien" in das verwaiste Haus der Sezession mit 
ihrer neuen Ausstellung einzogen. Diese Räume und diese Wände rnit ihren vielen an Qualität 
starken und reichen Erinnerungen ergeben für die Nachfahren eine kritische Atmosphäre, 
ganz anders als die zufälligen neutralen Säle der früheren Ausstellungen. Die Jüngsten 
aus dieser Schau gedeihen aber gut in dieser Luft, in der immer die Kühnheit künstlerischen
	        

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