MAK
VI. 
Vermehrung der Sammlungen im Jahre I872. 
Die systematische Aufstellung liess die Lücken der einzelnen Abtheilungen deut- 
licher erkennen, und die neuen Erwerbungen sind schon zum Theil mit Rücksicht darauf 
gemacht worden. Im Ganzen sind die Eigenthumssammlungen des Museums um mehrere 
hundert Gegenstände vermehrt worden. 
Die Sammlung der Poterien ist bereichert worden durch einige Stücke werthvollen 
Porcellans von Sevres und englischen Fahricats, die nebst verschiedenen Stücken älterer 
französischer Fayencen als Geschenk des Herm Erzherzogs Rainer, Protectors des Mu- 
seums, an das Museum kamen; desgleichen schenkte Derselbe dem Museum_eine Reihe 
Thongefasse mit Metallglanz spanisch-arabischer Herkunft von der Insel Maiorka. Eine 
grössere Anzahl weiss-blauer Fayencen von Delft und verwandter Art, wie sie sich gegen- 
wärtig den Fabriken in Znaim so nützlich erweisen, wurden zum Theil in Nürnberg, zum 
Theil in München, zum Theil in Wien gekauft. _ 
Die Maiolilten erhielten Vermehrung durch einige ausgezeichnete Beispiele von 
Mezzamajolilien und die deutschen Thonfabricate durch zwei grossartige glasirte 
Krüge rnit figürlicher Reliefornamentation von Nürnberger Arbeit aus der zweiten Hälfte 
des i6. Jahrhunderts, sammtlich in Wien gekauft. 
Auch die a n t i k e n T h o n g e fä s s e erhielten bedeutende Vermehrung, theils durch 
Gegenstände von rothem Thon mit Reliefornament, die in Rom, theils durch campariische 
Gcfasse, die, direct aus Italien gesendet, in Wien erworben wurden. - Die nationalen 
Thonarbeiten erhielten einen interessanten und bedeutenden Zuwachs durch eine Samm- 
lung slavonischer Gefasse, welche Herr Felix Ley in Essegg dem Museum zum Geschenk 
machte, und in jüngster Zeit durch eine Reihe bulgarischer Thonarbeiten aus dem Balkan, 
welche Herr F. Kanitz für das Museum besorgte. _ 
Auch die übrigen Zweige der Poterien, z. B. die Ofenkacheln und die chinesischen 
und iapanesischen Porcellane, blieben nicht unbereichert. Letztere hatten im Jahre i87i 
den Hauptzuwachs durch Herm Generalconsul v. Scherzer und die ostasiatische Expe- 
dition erhalten. . 
Die Sammlung der Glugallue, welche das Museum besitzt, kann bereits als eine 
sehr bedeutende bezeichnet werden; doch erhielt auch sie Zuwachs theils durch einige 
böhmische und venetianische Glasgegenstande feinerer Art, die von Herrn Kaff erkauft 
wurden, theils durch ein Geschenk des Herrn L. Lobmeyr; einige antike Glasschalen 
wurden durch Herrn Dr. I-Ielbig in Rom gekauft. 
Unter den neu erworbenen Arbeiten in adloni Metall erwähnen wir zuerst einen 
silbernen Pocal der feinsten Art, Copie einer Arbeit ersten Ranges von Wenzel Jam- 
nitzer. Die Copie ist ausgeführt durch den Goldschmied Winter in Nürnberg. Sodann 
sind verschiedene nationale Arbeiten zu erwähnen: Silherarbeiten aus dem Kaukasus, die 
vom Architekten Wurm gekauft wurden; Tulaarbeiten, ein Geschenk der Fürstin Rus- 
poli; südslavonische Schmuckarbeiten, ein Geschenk des Herrn Felix Ley, und Salzburger 
Filigranarbeiten, welche auf der Ausstellung des Museums gekauft wurden. 
Wir erwähnen hier im Anschluss an die Arbeiten aus edlem Metall zwei Gefässe 
(das eine Bruchstück) aus Bergkrystall mit eingeschliffenen Ornamenten, ein Geschenk 
des Herrn L. Lobmeyr, sowie zwei Emailgemalde, Limoges, 16. Jahrhundert, welche 
vom Kunsthändler Bourgeois gekauft wurden, desgleichen eine grössere Anzahl gal- 
vanoplastischer Copien nach älteren Silberarheiten, welche im Atelier des neuen 
bayrischen Gewerbemuseums in Nürnberg angefertigt worden sind. 
Unter den übrigen Metallarhaitaii gedenken wir zuerst eines Eisenkastchens 
mit goldtauschirten Arabesken aus der Collection Koller gekauft, eines antiken, sehr 
reizenden Zinngefassea, welches von Dr. l-lelbi g in Rom gekauft wurde, und anderen 
Zinngeschirrs aus dem i7. Jahrhundert. 
In Bronze wurde insbesondere eine grossere Sammlung Imitationen von italieni- 
schen Bronzearbeiten des i6. Jahrhunderts, ausgeführt von Michieli in Venedig, den 
Sammlungen einverleibt; auch einige originale Bronzearbeiten kamen hinzu. Hier sind 
auch zu erwähnen moderne kleinere Bronzearbeiten von Lerl (Geschenk der Fabrik), und 
eine Uhr von I-Iart 81 Son in London. Auch die Kupfer- und Beckenschlagerarbeiten 
erhielten Zuwachs durch Schüsseln und Leuchter. 
In Eisen wurde Verschiedenes erworben, mehrere altere Schlösser und Beschläge, 
insbesondere aber ein paar grössere Brunneneinfamungen und Gitter. 
Auch die-Lederarbeltan haben durch Bucheinbande und einige Kapseln Zuwachs 
erhalten, wenn er auch nicht bedeutend ist. 
Die Mlibolulniiilung wurde vermehrt durch einen ethischen Schrank (Ende des 
15. Jahrh.), Geschenk der Stadtgemeinde Znaim, ein gesc "tztes Schränkchen mit vier 
Thüren, i6. Jahrh, einen grossen Schrank mit Schnitzerei, norddeutsche Arbeit um i58o,
	        

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