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folgenden allgemeinen Ausstellung erwartet; und dass in den Kronliindern dieselbe Auf- 
fassung besteht, zeigen die fortwährend von daher kommenden Anmeldungen. Bereits sind 
mehr als 200 Firmen angemeldet, welche dafür bürgen, dass jeder in Oesterreich betrie- 
bene Kunstindustriezweig in charakteristischer Weise vertreten sein wird. Einen besonderen 
Reiz dürfte diese Ausstellung dadurch erhalten, dass mehrfach Industrielle, welche darauf 
angewiesen sind, einander in die Hände zu arbeiten, auch gemeinschaftlich ausstellen und 
dem Pnblicum musterhafte Ensembles vorführen werden. 
Eine Jury während der Ausstellung ündet nicht statt und eben so wenig eine Prä- 
miirung durch Medaillen etc. Eine Auszeichnung liegt bereits in der Zulassung zur Aus- 
stellung, dn die Priifungscammission Gegenstände zurückweisen muss, welche entweder 
nichts Künstlerisches an sich haben, oder in der Composition jenen Grundsätzen wider- 
sprechen, von welchen die gegenwärtige Reformbewegung auf diesem Gebiete ausgeht. 
Diese Gesichtspuncte sind in dem Programm der Ausstellung und den Erläuterungen zu 
dem Programme, welche (Schriftstücke vom Bnreau des Museums bezogen werden können, 
des Genaueren ausgeführt. 
Der Beginn der Ausstellung ist vorläufig auf den 1. Mai 1871 am: und erst nach 
ihrer Beendigung kann die Uebertraguug der Sammlungen des Museums in das neue Ge- 
bäude stattlinden. 
XIV. 
Kunstgewerheschule. 
Den erfreulichsten Aufschwung hat die Kunstgewerheschule genommen. Wenn es 
noch eines Beweises bedurft hätte, dass eine höhere Unterrichtsanstalt dringend nüthig 
wer, in welcher talentvolle Leute sich die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten an- 
eignen, um entweder Musteneichner oder Zeichenlehrer an Gewerbe- und Realscbulen zu 
werden, so würde der kurze Zeitraum seit EröEnung unserer Schule diesen Beweis geliefert 
haben. Nicht" allein durch einen Andrang von Schülern, welcher das Lehrercollegium 
berechtigte, ja nöthigte, schon nach Ablauf des ersten Schuljahres höhere Anforderungen 
an die sich Meldenden zu stellen, sondern auch ganz besonders durch die Wahrnehmungen 
über den Grad der Vorbereitung, welche ehemalige Beal- oder Gewerbschüler in die Kunst- 
schule mithrachten. Dieser Anstalt füllt während der ersten Zeit ihres Bestehens 
noch die Aufgabe zu, die Mehrzahl ihrer Zöglinge erst durch den Vorhereitungscurs für 
den Eintritt in die Fachschulen vorzubereiten; aber dies Verhältniss wird sich mit der 
Zeit ändern und um so nachhaltiger, wenn die von Böhmen aus angeregte Idee zur Aus- 
Eihrung kommt, bereits angestellte Zeichenlahrer noch einen Cursus an der Kunstgewerbe- 
schule durchmachen zu lassen. Dieselben würden dadurch die ihnen von keiner Akademie 
zu bietende Gelegenheit erhalten, neben der höheren eigentlich künstlerischen Ausbildung 
die Kenntniss der Bedürfnisse ihrer Hir das praktische Leben bestimmten Schüler zu 
gewinnen. 
Mittlerweile sind die Ergebnisse des ersten Jahres, eines Probejahrs für Lehrende 
und Lernende, schon sehr befriedigend ausgefallen. Die gesammte Schülerzahl in beiden 
Semestern des Schuljahres 1868169 betrug 78, und es betheiligten sich an den einzelnen 
Unterriehtsgsgenstiinden z 
Fachschulo für Baukunst 8 ordentl. Schüler, 2 Hospitanten, 
„ „ Bildhauerei 5 „ „ 8 „ 
„ „ Figurenzeiehnen 5 „ „ 9 „ 
„ „ Blumenmalen ü „ „ 3 „ 
Vorbereitungsclasse . . . . . . . . .. 23 s 1. 50 „ 
Die Vorträge über Prejectionslehre, Stillehre, Furbenchemle und Anatomie hatten 
14 bil125 Hörer. Unter den Schülern, zu welchen auch 8 weibliche gehörten, waren die 
meüten Zwäge kunstindustrieller Thütigkeit vertreten, und die Professoren konnten im 
Allganeinen über Fleiss und Befähigung da.s_Giinstigste berichten. 
Im zweiten Schuljahre stieg die Zahl der Schüler auf 104, beinahe schon die 
üussershe Zahl, welche in den dermaligen Localitäten überhaupt zu placiren ist. Der 
Unterricht in den Faehsuhulen trügt nun, da. eine Grundlage gegeben ist, sichtbare, er- 
freuliche Früchte, welche auch insofern allgemeinere Würdigung erfahren, als immer häu- 
figer sowohl Industrielle als Kunslfreunde angemessene Aufträge der Schule zuwenden; 
wobei natürlich von der Direction des Museums wie von dem Lehrkörper der Schule 
darauf geachtet wird, nicht etwa Aufgaben zuzulassen, welche mit der Tendenz der Schule 
in Widerspruch stünden. Die empfehlenswertheste Form einer derartigen Unterstützung 
der Anstalt hat der n. ö. Gewerbeverein gefunden. Derselbe hat zwei Preise von ja 
50 B. ö. W. für eigene Compositionen von Schülern der Kunstgewerbeschule ausgeschrie- 
ben, aber dem Lehrkörper es überlassen, im Einverständnisse mit einem Delegirten des 
Gewerbevereines die Aufgaben selbst su bestimmen.
	        

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