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wöchentlich das Lesezimmer geöffnet wer, wurde dies durchschnittlich von 80 bis 40 Per- 
sonen besucht. 
Dass das Interesse aller Gesellschnftsclsssen an den Bestrebungen des Museums in 
stetem Zunehmen begriifen, bekunden insbesondere noch die zahlreichen Beiträge zu der 
permanenten Ausstellung und manches werthvolle Geschenk für die Sammlungem Die 
Direction hat aber diesmal die Freude, eine Reihe von ausserordentlichen Actcn registriren 
zu können, welche zeigen, wie sehr in den höchsten und hohen Kreisen die Bedeutung des 
Instituts für die Geschmacksbildung und für die wirthschaftliche Entwickelung des Reiches 
gewürdigt wird. 
Se. Majestät der Kaiser gernhten mittelst a. h. Handschreibens vorn 7. Juni 
vor. Jahres an Se. k. Hoheit den durch]. Protector des Museums, Erzherzog Rainer, in 
der Absicht die vnterländische Kunstindnstrie thunlichst zu fördern. anlässlich der bei Er- 
ötfnung des neuen Museumsgebiiudes stattfindenden Musternusstellnng die Anschaffung 
einiger KunstgewerbeaGegenstände fiir den Gebrauch des a. h. Hofes im Betrage von 
50.000 d. anzuordnen und mit der Durchführung der zu obigem Zwecke erforderlichen 
Massregeln unter Benütznng der Kräfte der Kunstgewerbeschule den Director des_Oesterr. 
Museums zu betrauen. In Folge dieser das Museum ehrenden, die heimische Kunstindu- 
strie fördernden und für die beabsichtigte Ausstellung im Jahre 1871 in mehr als einer 
Beziehung höchst werthvollen a. h. Entschliessung wurden im Einvernehmen mit den hetr. 
Hoflimtern die nöthigen Verfügungen noch im Laufe des Sommers getroäen und es lässt 
sich schon jetzt voraussagen. dass die bestellten Gegenstände zu den schönsten Zierden 
der Ausstellung gehören werden. 
Voller Uehereinstimxnung über die Ziele, welche die kunstindustrielle Bewegung in 
Oesterreich sich zu setzen und über die Mittel, mit denen sie diese zu erreichen trachten 
müsse, begegnete die Direction des Museums bei Sr. Exc. dem Herrn Handelsminister 
v. Plener und dessen Riithen. Zeugniss davon geben die Stiftung von Stipendien, von 
welcher unter der Rubrik „Kunstgewerbeschulä ausführlicher die Rede sein wird, die 
Widmung eines Betra es zur Ergänzung der Vorbildersßmrnlungen, endlich das bereit- 
willige Eingehen der ehren Beh"rde auf die Vorschläge der Mnseumsdirection zur Förde- 
rung einzelner Industriezweige durch Dotationen für die Einrichtung von Schulen, An- 
schaffung von Lehrmitteln n. s. w. Es gewährt der Direction eine Genugthuung, ihren 
Dank für so kriißige Förderung ihrer Bestrebungen hiermit ößentlich aussprechen zu können. 
In hohem Grade dsnkenswerthe Berücksichtigung fanden ferner die Anträge der Di- 
rsction bei Sr. Exc. dem Herrn Finanzminister Dr. Brestel. S0 wurde dem Wunsche 
hiesiger Industrieller durch die Versetzung des Chemikers Kosch von Hainhurg nach Wien 
Folge gegeben und der ferneren Zersplitterung des (dem Oesterr. Museum zur Aufbewah- 
rnng übergebenen) künstlerischen Nachlasses der k. k. Porcellanfahrik ein Ziel gesetzt. 
Die späteren Abschnitte werden endlich Rechenschaft geben von den zahlreichen 
Beweisen werkthiitigen Interesses, welche dem Museum auch in diesem Jahre aus allen 
Schichten der Gesellschaft zugingen. 
II. 
Verhältnisse des Museums zu den Kronländern. 
Aus den verschiedensten Gegenden des Reiches erging im verflossenen Jahre an 
das Museum die Anforderung. sich an Provinsiahinsstellnngen zu betheiligen, aus Pesthi 
(Verein fiir die bildenden Künste), Graz (Steiermärk. Verein zur Förderung der Kunst, 
indnstrie), Linz (Diöccssn-Kunstverein), Innsbruck (Tirolisch-vorarlherg. Kunstverein), 
Pilsen gHandelskammer) und Brünn (Mährischer Gevierbevcrein). Obwohl mehrere 
dieser Ausstellungen in der Zeit zusammenfialen, wurde es doch möglich gemacht, eine 
jede von ihnen reichlich und in einer den Bedürfnissen des Ortes oder des Landes ent- 
sprechenden Weise zu beschicken. Wurden durch eine so umfangreiche und ausgiebige 
Betheiligung die Kräfte des Museums stark in Anspruch genommen und legt dieselbe der 
Anstalt nicht unerhebliche Opfer auf, da die Mnstersammlungen für solche Zwecke he- 
deutöod vermehrt und ergänzt werden müssen, auch der Besuch verschiedener Ausstel- 
llm en den Kunstgegenstinden ungeachtet aller Sorgfait beim Verpacken etc. seine unaus- 
löf lidllen Spmen anddiliokt, so entnahm doch auch die Direction aus ein-amtlichen 
Berichten über jene Ausstellungen, dass der nächste Zweck der Beschickung derselben 
seitens des Museums: jene Knnstgewerbe, welche bereits ausgeübt werden, in ihrer Fert- 
entwickelung zu fördern und an Versuchen in jenen anzuregen, für deren Gedeihen die 
natürlichen Bedingungen vorhanden sind - in erfreulicher Weise erreicht wurde. Auch 
fiir das Jahr 1870 ist eine Reihe von Ausstellungen projsctirt, bei welchen in erster Linie 
auf die Bstheiligung des Museums gerechnet wird: wiederum in Gras, dann in Znaim, 
Egsr, Bisllts.
	        

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