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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 2)

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BERTOLD LÖFFLERS WANDMALEREIEN IM 
SALZBURGER VOLKSKELLER Sie VON HER- 
MANN UBELL-LINZ Sie 
HER Besucher der Frühjahrsausstellung des Öster- 
reichischen Museums im Jahre rgn, die dem 
„Deutschen Werkbund" zu Ehren, der damals in 
Wien tagte, besonders glanzvoll ausgestaltet war, 
wird sich noch gern des kleinen reizenden Raumes 
erinnern, worin die neuesten schwarz-weißen 
Keramiken der „WienerWerkstätte" untergebracht 
waren und den Professor Löffler rundum mitWand- 
malereien ausgeschmückt hatte. 
Es waren allerhand naive Darstellungen aus 
der griechischen Sage, wie Blumen über die Fläche 
gestreut und von welligen Linien locker umrahmt. Unbeschwert von irgend- 
welcher Archäologie, erweckten sie dennoch mit der herben Anmut ihrer 
Linien und Farben, die nicht ohne Rafünement eine große Simplizität 
vorspiegelten, die heitere Erinnerung an die Gestalten der spätgriechischen 
Anthologie, und an deren künstliche Naivität. So anmutig war das alles und 
von so neuer Eigenart, daß uns herzlich leid war, die Löfflerschen Dekorationen 
zugleich mit der Ausstellung wieder verschwinden sehen zu müssen. 
Aber eben diese Fresken waren es, die in dem Besitzer des Hotels 
Pitter in Salzburg den Wunsch erregten, seinen neuerrichteten Volkskeller 
von Löffler in ähnlicher Weise ausmalen zu lassen. Das ist inzwischen 
geschehen, und damit hat die an alter Kunst so unausschöpfbar reiche 
Stadt auch wieder ein wertvolles Dokument moderner Kunst" gewonnen, 
das nicht nur von den Fremden als neue Salzburger „SehenswürdigkeiW 
aufgesucht, sondern auch, wie ich mich durch den Augenschein über- 
zeugen konnte, von Leuten aus dem Volke mit einer wahren Andacht 
stundenlang studiert wird. 
Der „Salzburger Volkskeller" ist ein langgestreckter, niedriger Raum, 
dessen Ausstattung von Professor Josef Hoffmann auf die Note gediegener, 
volkstümlicher Einfachheit gestimmt ist. Von dem schwarzen, dunkelgrün 
geränderten Getäfel, das die untere Hälfte der Wände verkleidet, hebt sich 
die Buntheit der darüber befindlichen, bis an die Decke (die mit einem 
einfachen Sternenmuster geziert ist) reichenden Löfllerschen Malereien mit 
verdoppelter Leuchtkraft ab. Fast ein wenig unruhig wirkt anfangs die 
grelle Buntheit (denn der Künstler hat die stärksten Akzente, Waschblau, 
Zinnober, Schwarz und so weiter nicht gespart), bis man merkt, daß 
diese ganze anscheinend regellose Farbigkeit ein System hat, daß gewisse 
"' Woran sie eigentlich recht arm ist. Sollte man es für möglich halten, daß der größte moderne Maler, 
den Salzburg hervorgebracht hat, daß Hans Makart nicht mit einem einzigen Werke seiner Kunst in seiner 
Vaterstadt vertreten ist? Was gar nicht so schwer zu erreichen wäre, da noch lange nicht alles von Makart in 
festen Händen ist. 
 
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