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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 2)

lebt die Schilderung von Haus und Hof wieder auf. Seitdem sind Straßen- und Platzbilder 
alter Städtchen in größerer Zahl vertreten. Man muß sich dessen freuen, denn für alle jene, 
denen die Malerei nicht an sich ein Genuß ist, für alle, denen die Erzählung das wichtigere 
ist, für diese vielen ist die Schilderung der schönen und wenig beachteten Schätze der 
Heimat nützlich und wertvoll, sie lernen sehen. Nur haben diese Darstellungen selten mehr 
mit der Kunst der Malerei Zusammenhang. Es sind Illustrationen, die zeichnerischen 
oder malerischen Reiz besitzen. 
EREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLERINNEN ÖSTERREICHS. 
Es ist interessant zu sehen, wie sehr die kunstgewerbliche Betätigung den österrei- 
chischen Künstlerinnen glückt. Während die hohe Kunst der Malerei nur ganz wenigen 
Auserwählten ihre Pforten weit öffnet, hat die keramische, textile, metalltechnische 
Arbeitswelt viele liebenswürdige weibliche Talente gastfreundlich aufgenommen. Auch 
eine Raumgestaltung ist vertreten, die mit Erfolg Anregungen der Wiener Kunstgewerbe 
widerspiegelt. So bildet die kunstgewerbliche Gruppe in dieser Ausstellung ein innerlich 
zusammengehöriges neues Gefüge, dem man weiteren Ausbau und günstige Entwicklungs- 
möglichkeiten wünscht. 
Es ist verdienstvoller, daß die Keramik zur Kunst erhoben, als daB die Malerei ihren 
hohen Zielen entzogen wird. Die malenden Damen sind ja numerisch überwiegend; aber 
man fühlt nicht die frische, sichereProduktivität an den Bildern, die man an den keramischen 
Werken sieht. Es ist dies ja auch ein Zeichen der Zeit, die der hohen Kunst weit weniger 
entgegenkommt als den gewerblichen Künsten. 
So ist ja auch hier wieder das Gebiet der Graphik viel besser bebaut als das der 
Malerei. Und jene Künstlerinnen, die ihr Streben über die engeren Ziele hinaus zu den 
größten führt, büßen leicht die Originalität ein, die sie früher zu entwickeln vermochten. 
Auch dafür sind in dieser Ausstellung einige Beispiele vorhanden. 
OLLEKTIVAUSSTELLUNG KROATISCI-IER KUNST. In den Räumen 
der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs haben die Malerin Nasta Rojc, 
die Bildhauerin Mila Wod sowie die beiden Frauenvereine, welche die Hebung der 
Nationalindustrie in Agram und in Petrinja zum Gegenstand ihres Strebens gemacht haben, 
eine Kollektivausstellung kroatischer Kunst veranstaltet. 
An den Bildern wie an den Plastiken kann man außer dem Gegenständlichen eine 
nationale oder irgendwie starke Note kaum entdecken. Der südslawische Charakter ist 
von einigen Künstlern schon in weit ernsterer Form zum Ausdruck gebracht worden. 
In der Ausstellung der Stickereien und Spitzen, der eine sehr reizvolle Kollektion 
alter Originalarbeiten bäuerlichen Ursprungs beigegeben ist, interessieren nur jene, die ein 
wirkliches Verarbeiten volkstümlicher Anregungen zeigen. Ein bloßes Kopieren alter 
Motive und Übertragen auf wesensfremde Zwecke moderner bürgerlicher Kreise ist ja oft 
genug als falsch und wertlos erkannt worden. Es wäre bedauerlich, wenn in Kroatien der- 
selbe Fehler begangen würde, der die gute Sache schon anderwärts gefährdet hat. Gerade 
weil hier manches treffliche Stück vorliegt, das die alte Technik, den alten Farben- 
geschmack und ornamentalen Zug zu bewahren weiß und dem neuen Zweck und meist 
auch neuem Material mit eigenen freien Umbildungen und Neuschöpfungen gerecht zu 
werden versteht, möge hier auf die großen Qualitätsunterschiede in den Leistungen hin- 
gewiesen werden. 
Die Sache ist wichtig und kann nicht stark genug betont werden. Nicht das, was man 
„von seinen Vätern ererbt hat", besitzt man voll und ganz; man muß alles wieder neu sich 
„erwerben, um es verdient zu haben". So genügt ja niemals das Verwenden „fertiger 
Überlieferungen". Erst das, was wir neu daraus schaifen, besitzt einen Wert. Der Eifer, 
mit dem in Kroatien den schönen und vielfach auch eigenartigen lokalen künstlerischen 
Überlieferungen nachgeforscht wird, ist ein sehr anerkennenswerter. Nun muß sich
	        

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