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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1865 / 3)

industrie, welche für die ärmeren Classen arbeitet, jene Ressourcen fehlen, 
und dass bei Einrichtungsgegenständen für ärmere Classen häufig ohne Noth 
hässliche Formen angewendet werden. Diesem Uebelstande solle gesteuert 
werden; beruht doch die wahre Schönheit auf Einfachheit der Linien und 
Formen. Werden dabei zweckmässige Materialien und neue Erzeugung:- 
methoden verwendet, so wird die Möglichkeit geboten, schönere und zugleich 
wohlfeilere Einrichtungsstücke auch Fir die ärmere Classe zu liefern. 
Herr Guicbard, der unermüdlich thätige Präsident der Unbn centrale, 
gebt mit der Idee um, in der nächsten Zeit in Paris ein grosses Collöge 
des beuuac-arts appliquäs ä l'industrie zu errichten, indem er meint, dass 
man sich vorzugsweise an die Jugend wenden müsse, wenn man neue 
Gedanken in die Welt einführen will. Reife, in der Mitte des Geschäfts 
stehende Männer haben selten mehr den bildsamen beweglichen Geist, um 
neue Bahnen zu betreten, noch seltener aber die Zeit, sich mit solchen 
Fragen zu beschäftigen. Dieses neue Institut soll am l. October des 
Jahres 1866 ins Leben treten und wird die höchste Aufmerksamkeit aller 
Lehrer beanspruchen, welche sich mit der Frage beschäftigen, wie das 
Volk zur Kunst zu erziehen sei. 
Die Union cmtrale ist die Frucht der Adoption des englischen Princips 
der Selbsthilfe auf französischem Boden. Dieses Princip steht mit den 
Grundsätzen einer gesunden Kunstbildung im innigsten Zusammenhange; 
jede künstlerische Kratt ist eine individuelle Kraft; es handelt sich nicht 
darum, die Energie des Individiums zu brechen, sondern zu steigern und 
zu leiten. Auf dem Zusammenwirken vieler verschiedenartig und gut ge- 
bildeter Künstler beruht ein gesundes und kraüiges Kunstleben. Napoleon IlI. 
hatte daher vollkommen recht, dass er an die Vertreter der Union centrale 
folgende bedeutsame Worte richtete: „Einiriative indiviiluelle, süzwergunt 
(wer: uns infhtigable ardeur, dispense le gouuemement düitre le seul pro- 
mnteur des forces vitales d'une ruztion. . .. Simulez chez lea indiuidus uns 
spontanäitä änergiqzle pour tout ca qui est beau et utile: telle es! votre tache. 
Dieses Ziel angestrebt zu haben, können sich mit Beruhigung jene Männer 
sagen, welche die Ausstellung im Palais de l'industrie veranstaltet haben. 
Neu erworbene Kunstgegenstände im österr. Museum. 
Die kernrnische Abihsiluug des österr. Museums hat in letzter Zeit eine 
bedeutende Bereicherung sowohl durch Geschenke als durch Ankauf erfahren. In ersterer 
Beziehung ist Herr Curutor F. Friedland zu nennen, welcher schon bei der Eröfnung des 
Museums sich durch die geschenkweiss [Ieberlnssung einer wohlgeordnetsn Sammlung von 
französischen Fayencen vom I7. Jahrhundert bis auf die Gegenwert, Prodnute aller bedeu- 
tenden Fnbriksorle Frankreichs mit besonderer Berücksichtigung der Bestrebungen und 
Leistungen der Gegenwart enthslteud. als ein warmer Freund des Museums erwiesen. Nun 
richtete er sein Augenmerk auf die Thonfubrieete Spaniens, dieses für die Geschichte dieser 
Kunst so bedeutenden Landes, und schenkte dem Museum sechs in historischer und teeln 
niseher Beziehung höchst wichtige Stücke, und zwar: 
Eine Schale von 14V," Durchmesser mit brauner Decorution auf gelblichem Grunde, 
speniseh-msnrisches Fabricnt mit metallischem Reflex; dieser reßex mstallique, wie er in
	        

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