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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 3)

Die Ausstellung fand im großen Zeughaus eines Milizregiments statt, da 
Newyork kein großes Kunstausstellungsgebäude besitzt. 
Die häßliche große Halle war in geschmackvoller Weise in zahlreiche 
einzelne Räume umgewandelt worden, und es tat dem Besuche keinen Ab- 
bruch, daß die Ausstellung fern vom Zentrum stattfand, an der wenig 
fashionablen Lexington Avenue, wo man nicht gewöhnt ist, Kunstgenüsse 
zu suchen. 
Außer Malerei und Skulptur war auch das Kunstgewerbe einigermaßen 
vertreten, aber hauptsächlich als Dekor, besonders der hübschen Eingangs- 
halle; diese Abteilung hatte nur Amerika beschickt. Der internationale 
Charakter der Ausstellung ist nicht so zu verstehen, als ob alle Nationen 
sich beteiligt hätten. Es fehlten leider einige der bedeutendsten Staaten. 
Österreich war gar nicht vertreten, Holland und Belgien hatten bloß einige 
W'erke ausgestellt. Von England, Deutschland, der Schweiz und Italien 
waren ziemlich viele Gemälde zu sehen. Ausländische Skulpturen waren 
des schwierigen Transportes wegen spärlich vorhanden. Unter den fremden 
Ausstellern bildeten die Franzosen die Mehrheit. Ihre Ausstellung war 
auch am charakteristischesten, weil sie den Weg zeigte, den die moderne 
Kunst gegangen, um von Coröt und Daubigny, Manet und Monet zu Cezanne 
und schließlich zu Mathisse und seinen über alle Länder verbreiteten 
Anhängern zu gelangen. Selbst die Kubisten fehlten nicht. Wie sehr die Aus- 
stellung als Sensation und nicht als Kunstgenuß betrachtet wurde, beweist 
die Tatsache, daß die Leute, besonders Frauen, stundenlang in dichten 
Gruppen vor einem Gemälde standen, das eine Dame, die über einige Stufen 
herabschreitet, darstellen sollte. Das Bild war ihnen eine Rätselaufgabe, 
denn sie konnten weder die Dame noch die Stiege in dem klotzartigen 
Gemenge finden. Auch Ferdinand Hodler gehörte zu den Ausstellern. 
Italien war durch eine ganze Anzahl Futuristen vertreten; und ebensowenig 
fehlte die „neueste" deutsche Kunst. Neben vielem Abstoßenden und 
Krankhaften war es interessant, auch solchen Künstlern zu begegnen, die, 
ohne sich ins Perverse zu verlieren, den modernen Idealen nachstreben. Da 
möchte ich vor allen Cezanne, Max Slevogt und Van Gogh nennen, an 
dessen geistvollem Selbstporträt die nervöse Sensibilität stark hervortrat. 
Seine übrigen Bilder zeigten den Übergang von eigenartig vibrierender 
Farbenbehandlung bis zu einer Farben- und Formengebung, die mindestens 
als abnormal bezeichnet werden muß. Durch eine große Anzahl von Bildern 
war Auguste Redon vertreten. 
Von den ausländischen Skulpturen waren die von Wilhelm Lembruch, 
Alexander Archipenko und E. A. Bourdelle wohl die extremsten. Sie gehörten 
alle der kubistischen und postimpressionistischen Richtung an. Verzerrte Glied- 
maßen, Gesichtszüge von unmöglichen Formen, eckige Figuren in inniger 
Umschlingung boten Stoff für neugieriges Staunen oder trauerndes Bedauern. 
Die Säle, die die Amerikaner einnahmen - ungefähr die Hälfte der 
Ausstellung - wiesen sehr viel auf, das der näheren Betrachtung wert war.
	        

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