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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 3)

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DIE SILBERPALA IN DER KIRCHE SAN SAL- 
VATORE IN VENEDIG 50 VON LEO PLANISCIG- 
WIEN 50 
ANS von der Gabelentz hat in seinem Buche über 
die mittelalterliche Plastik in Venedig)" zum letzten- 
mal in der Literatur über die große Silberpala, 
die auf dem Hochaltar von San Salvatore in 
Venedig aufgestellt ist, gehandelt. Für ihn wie 
)  auch allgemein gilt das Werk als bereits mit 
I  Sicherheit datiert: im Jahre 1290 soll es entstan- 
  .- den sein und das früheste Beispiel gotischer 
i , Skulptur in Venedig repräsentieren. 
Von dieser Angabe Gabelentz' angeregt, 
habe ich nun die Silberpala selbst sowie die ein- 
schlägige Literatur genau untersucht, wobei sich herausgestellt hat, daß 
einerseits dieses Werk nie stilistisch geprüft wurde, andererseits, daß die 
Datierung nur einer literarischen Quelle des XVIII. Jahrhunderts entspringt, 
die nicht ohne weiteres den Anspruch auf Zulässigkeit verlangen muß. 
Eine kritische Untersuchung der literarischen Angaben und eine stilisti- 
sche Analyse der Pala wird uns nun zeigen, ob die von Gabelentz an- 
genommene Datierung im Einklange mit dem Stile dieses hervorragenden 
Werkes italienischer Silberschmiedekunst steht. 
Auf dem I-Iochaltar zu San Salvatore erhebt sich die fünfteilige Silber- 
pala, die einst von der Transiiguration Tizians verdeckt wurde. Dieses Bild 
befindet sich jetzt in der Sakristei der Kirche und die Pala, die nur bei hohen 
kirchlichen Festlichkeiten, sonst unter großen Umständen zu sehen ist, wird 
mit einer Holzverschalung geschlossen (Abb. I, 2, 3, 4). Eine genaue Beschrei- 
bung des Werkes ist mir durch die photographische Gesamtansicht erspart, 
so daß ich mich auf die wesentlichsten Angaben beschränken kann. 
x. Oberer Streifen: die Taube des heiligen Geistes zwischen vier 
geiiügelten Engelsköpfen. 
2. Zweiter Streifen: unter weitgeschwungenen und reich dekorierten 
gotischen Nischen befindet sich in der Mitte die sitzende Madonna mit dem 
Kinde, flankiert von zwei adorierenden Engeln; in den acht Seitennischen 
je eine Halbtigur eines Heiligen. 
3. Mittlerer Streifen: auch hier gotische Nischen mit reichem Schmucke; 
in den drei mittleren befindet sich die Hauptdarstellung, die „Verklärung 
Christi auf dem Berge Tabor". In den acht Seitennischen je eine ganze Figur 
eines Heiligen. 
4. Vierter Streifen: in der Mitte die kniende Figur des Donators in der 
Tracht eines Bischofs mit der Mitra und dem Krummstabe; an den Seiten 
die vier Evangelistensymbole. 
' Hans von der Gabelentz, Mittelalterliche Plastik in Venedig, Leipzig 1903. S. 20g. 2x0. 
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Fihlfeüvi w
	        

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