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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 3)

Indem wir uns über das Erreichte freuen und uns in gemeinsamer patriotischer 
Arbeit für Gegenwart und Zukunft verbinden, gedenken wir in tiefster Dankbarkeit und 
Treue des erhabenen Schöpfers dieses ruhmvollen Instituts und stimmen ein in den Ruf: 
Gott schütze und erhalte unseren allergnädigsten Kaiser und Herrn, Seine k. u. k. Apo- 
stolische Majestät Kaiser Franz Joseph I." - 
Die Festversammlung hatte sich von den Sitzen erhoben und brachte begeistert ein 
dreifaches Hoch auf Seine Majestät den Kaiser aus. 
Der Wiener Männergesangsverein stimmte hierauf die Volkshymne an, die stehend 
angehört wurde. 
Zum Schlusse hielt Direktor Hofrat Dr. Eduard Leisching folgende Festrede: 
„Der heutige Tag ist der dankbaren Erinnerung geweiht an Jene, welche dieses durch 
die Gnade Seiner Majestät des Kaisers geschaffene Institut organisiert und durch uner- 
müdliche weitblickende Arbeit zu einem wichtigen Faktor im geistigen, künstlerischen und 
wirtschaftlichen Leben unseres Vaterlandes gestaltet haben. Er bietet hochwillkommenen 
Anlaß, uns Rechenschaft abzulegen über das, was im Laufe von 50 Jahren hier geleistet 
worden ist auf dem Gebiete der Sammeltätigkeit, der wissenschaftlichen Arbeit, der Erzie- 
hung und Propaganda in Verfolgung der durch das kaiserliche Statut und die Bedürfnisse 
der Zeit und des Lebens gesteckten Ziele. 
In treuer Verehrung und unauslöschlicher Dankbarkeit gedenken wir zunächst des 
erlauchten Prinzen aus dem Allerhöchsten Kaiserhause, dem das unvergängliche Verdienst 
gebührt, die Anregung zur Gründung dieses Instituts gegeben, seine schützende Hand 
lange Jahre über diese Schöpfung gehalten und ihr, stets fürsorglich, Hilfe, Freunde, Mittel 
verschafft zu haben, so daß sie sich aus kleinen Anfangen rasch zu hochragender Stellung, 
zu Ansehen und Einfiuß weit über die Grenzen der Heimat hinaus emporheben konnte. 
Als Seine k. u. k. Hoheit weiland Herr Erzherzog Rainer zu Beginn des vorigen Jahres, 
kurz vor seinem 1-Iinscheiden, das uns alle mit tiefster Wehmut erfüllt hat, zum letztenmal 
die Schwelle dieses Hauses überschritt, äußerte er mit jener Herzenswärme und jener 
schlichten Größe, die ihn zu einer so verehrungswürdigen rührenden Gestalt machte, daß 
er die Beziehung zum Österreichischen Museum und seine Mitarbeit an diesem Werke als 
einen unschätzbaren Gewinn seines ereignisreichen Lebens betrachte. Und er sei stolz darauf, 
daß dieses Museum nicht ein Friedhof oder ein Depot von Kunstaltertümern, sondern ein 
lebendiges Museum geworden sei, in welchem die herrliche alte Kunst vernehmlich zu 
allen spreche, die hören wollen, und aus dem alten stets neues Leben hervorsprieße. 
Und als er, wie so oft, unsere neu aufgestellten Sammlungen durchschritten, die jüngsten 
Erwerbungen besichtigt und viel von Eitelberger gesprochen hatte und seiner merk- 
würdigen vorwänsstürmenden Sinnesart, richtete er - wir ahnten nicht, daß wir diese 
Lichtgestalt nie wiedersehen sollten - die ernsten Mahnworte an uns: „Nicht stillestehen, 
immer fortarbeiten!" 
Und fürwahr, wenn wir die Geschichte dieses Hauses überblicken, dürfen wir wohl 
sagen: Mag das Tempo, in dem hier vorwärts geschritten wurde, zu verschiedenen 
Zeiten verschieden gewesen sein, wirklichen Stillstand hat es hier nie gegeben, hier ist 
immer ernste, ehrliche, begeisterte, hoffnungsfreudige Arbeit geleistet worden aus Liebe 
zur Arbeit, zu Wissenschaft und Kunst und Erziehung, aus treuer Liebe zum Vaterlande 
und Gott sei's gedankt: aus altösterreichischem Optimismus, aus dem Vertrauen und der 
Zuversicht auf das reiche Maß künstlerischer Kraft, das in den Völkern dieses viel- 
gestaltigen Reiches ruht und gerade dieser Vielgestaltigkeit seines völkischen Lebens jene 
Eigenen dankt, die der österreichischen Arbeit stets eine besondere Stellung in der 
Geschichte der künstlerischen Kultur gesichert hat. In diesem Optimismus, in dieser 
fast naiven Freude: neue Wege zu suchen und zu gehen, in diesem Vertrauen auf die 
Leistungsfähigkeit Österreichs war und ist uns Rudolf von Eitelberger leuchtendes 
Vorbild. Ein Problem zu lösen, wofür kein Vorbild vorhanden war -- da die englischen 
Verhältnisse nicht einfach auf Österreich Anwendung finden konnten und durften -
	        

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