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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 3)

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eng verwandt mit den übrigen Heiligen- 
Figuren des Werkes. Die Flügel der 
Engelsköpfe am ersten Streifen zeigen 
dieselbe Ausführung wie jene an den 
Evangelistensymbolen. Die Engels- 
köpfe selbst stimmen mit dem Ge- 
sichte desjesukindes überein. Die Figur 
des Donators erinnert mit seinen 
scharfen Zügen an den Apostel Johan- 
nes auf der Verklärungsszene. Der 
Hintergrund der ganzen Pala ist von 
einem gleichartigen Muster über- 
zogen. Bei der Besprechung der Or- 
namentik handelt es sich in erster Linie 
festzustellen, ob die Nischen, unter 
welchen die Figuren des zweiten und 
des mittleren Streifens gestellt sind, 
gleichzeitig mit letzterem entstanden 
sind, das heißt, ob sie einen integrieren- 
den Bestandteil der ursprünglichen Pala 
bilden. Auf beiden Streifen sind die Ni- 
schen identisch in der architektoni- 
schen Durchführung. Turmartig ge- 
gliederte Pfeiler, durchbrochen von 
langen gotischen Biforen, mit hervor- 
springenden Balkonen und spitzen mit 
Krabben verzierten Giebeln, ragen , v _ , 
. . Abb. 7. Venedig, Seminano patriarcale: Segnender 
schlank empor, ohne tektonisch mit Bischof, Anfang des Xmlamhundens 
den Nischenbogen verbunden zu sein. 
Letztere sind weit geschwungen und zeigen jene als „Eselsrücken" allgemein 
bezeichnete Form. Die Spitze endet in einer Krabbe, die eine Art Pinien- 
zapfen trägt. Die Bogen selbst sind reich mit perforierter Arbeit verziert. 
Dieses Ornamentierungssystem ist aber, was für uns sehr wichtig ist, mit 
den Strahlen der Aureolen der darunter befindlichen I-Ieiligeniiguren in 
innigen Zusammenhang gesetzt. Schon das könnte die Gleichzeitigkeit der 
Nischen mit den Figuren beweisen. Untersuchen wir aber die Konsolen, auf 
denen die Nischenpfeiler und die Figuren stehen, so wird es uns sofort klar, 
daß die einen wie die andern innig verquickt, somit zu gleicher Zeit, gemein- 
sam entstanden sind. Würden die Nischen fehlen, so könnten eo ipso auch 
die Konsolen nicht vorhanden sein; dann würden unsere Figuren in einer 
nicht zu erklärenden Art in der Luft schweben, ein Mangel, den niemand, 
auch bei der Annahme der forme romaniche rozze, dem Künstler oder der 
Künstlerwerkstatt unserer Pala zumuten dürfte. Man vergleiche übrigens 
die Felsenformen bei der Verklärungsszene mit den Konsolen, und man wird
	        

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