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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 4)

Überlegenheit der Wiener Kunstakademie und der persönlichen Begabung 
Sorgenthals mit seiner auserlesenen Künstlerschar zusammen. Das Rokoko 
hatte Wien gleichsam versäumt, denn nach der großen Barockperiode 
Wiens war eine gewisse Sättigung auf dem Gebiete der künstlerischen 
Produktion eingetreten; die nächste Generation aber, begeistert von den 
Idealen des Klassizismus, griff schaffensfreudig in die schlaff gewordenen 
Zügel. Berlin dagegen, angeeifert durch die Kunstliebe des Königs, hat dem 
Rokoko vollstes Verständnis entgegengebracht, stand aber dagegen in der 
Folgezeit unter dem Drucke schwerer politischer Sorgen. 
Wie grundlegend die Anteilnahme des Königs besonders in den 
ersten zehn Jahren für das Emporblühen der Manufaktur war, geht 
neuerdings mit vollster Klarheit aus dem großen, prächtig ausgestatteten 
]ubiläumswerke hervor} Ähnlich wie einst Meißen unter August dem 
Starken wächst die Berliner Porzellan- 
fabrik an den großen Aufträgen heran, die 
ihr der König unermüdlich erteilt. Durch 
sie wird Direktor Grieninger immer 
wieder vor neue Probleme gestellt, immer 
wieder gezwungen, seine Kräfte auf das 
äußerste anzuspannen, die Erfindungs- 
gabe der ihm zur Seite stehenden Künstler 
zu rastlosem Schaffen aufzustacheln und 
sich nur mit dem Besten zufrieden zu 
geben. Die königlichen Aufträge bilden 
den Kern des gesamten Betriebes, um den 
sich die übrige Produktion gruppiert, die 
durch jene Prachtstücke gegebenen Mo- 
tive vereinfachend und variierend. Das 
bezieht sich namentlich auf die Gefäß- 
plastik. 
In der Figurenplastik war der Ein- 
fluß von seiten des Regenten nicht so 
stark und hier hat Berlin ebenso wie Wien 
neben einer auserwählten Gruppe ganz 
vorzüglicher Arbeiten Werke geschaffen, 
die mit jenen aus Meißen und den süd- 
deutschen Fabriken nicht auf gleicher 
Höhe stehen. Der Modellmeister Fried- 
rich Elias Meyer war mehr als zehn 
"' „Berliner Porzellan. Die Manufaktur Friedrich des 
Großen: r763 bis 1786. Herausgegeben im Auftrage und 
mit Unterstützung des Ministeriums für Handel und Ge- 
werbe. Zurn einhundertundfünfzigjährigen Bestehen der 
königlichen Porzellanmanufaktur zu Berlin. Bearbeitet von 
Georg Lenz. Verlag von Reirnar Hobbing in Berlin. Zwei 
Venus, von Friedrich Elias Meyer, um 1755 Bände Großfolio.
	        

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